Der Chiemsee

  

Christoph Moning unter Mitarbeit von Michael Lohmann

Stand: November 2003

 

Der Chiemsee ist mit 8500 ha der Fläche nach Bayerns größter See. Zusammen mit den Mooren seines Umlandes und den nahen Bergen gehört der Chiemsee zu den vogelartenreichsten Gebieten Bayerns. Seit 1950 wurden rund 300 Vogelarten in dem Gebiet registriert. Etwa 40% der Ufer des Sees sind noch in naturnahem Zustand. Im Winter werden bis zu 40.000 Vögel in dem Ramsar-Gebiet registriert. Am interessantesten sind die Zugzeiten im Frühjahr und Herbst sowie die Wintermonate.

 

Voraussetzungen:

Mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar: Ja, wenn mit Fahrrad kombiniert.

Ausrüstung: Spektiv und Fernglas

Zugänglichkeit der Beobachtungsstellen: leicht; zum Lachsgang muss man 1,2 km laufen


Interessante Arten:

Stern-, Pracht- und Rothalstaucher sowie Meeresenten, wie die Eiderente sind jedes Jahr im Winter auf dem offenen Wasser zu beobachten, während sich Schwarzhals- und selten im Winter auch Ohrentaucher gerne in Ufernähe aufhalten. Rohrdommeln und Bartmeisen können mit Glück ebenfalls im Winter an schilfreichen Uferabschnitten beobachtet werden. Silberreiher sind fast ganzjährig zu beobachten. Seidenreiher sind seltener. Der Schwarzstorch brütet (unregelmäßig?) nördlich des Chiemsees. Singschwäne sind unregelmäßig im Winterhalbjahr zu beobachten. Entenvögel (v.a. Reiher- und Tafelente) sind im Winterhalbjahr in großer Zahl anwesend. Kolbenenten brüten auch im Gebiet.  Zwerg- und Mittelsäger zählen zu den selteneren Wintergästen. Ein bis drei Seeadler überwintern regelmäßig im Bereich des Achendeltas. Während die Wasserralle auch im Winter zu beobachten ist, lassen sich Tüpfelralle und Kleines Sumpfhuhn v.a. zu den Zugzeiten vor den Schilfrändern entdecken. Insgesamt 35 Limikolenarten wurden nachgewiesen. Schwarzkopfmöwen sind erstaunlich rar und am ehesten im September zu beobachten. Unter den bis zu 200 Mittelmeermöwen finden sich regelmäßig auch andere Großmöwen. Bis über 200 Zwergmöwen können im April/ Mai und in geringer Zahl das ganze Jahr über beobachtet werden. Auch die Sumpfseeschwalben erreichen ihr Maximum im Mai (bis 600 Trauerseeschwalben), bevorzugte Orte sind Seebruck und die Hirschauer Bucht. Pirol, Grau- und Kleinspecht kommen in den Auwäldern der Achenmündung vor. Bergpieper sind im Winter meistens anwesend. Wasseramseln brüten an der Tiroler Ache sind aber häufiger an der Prien, am Überseer Bach und an anderen kleineren Zuflüssen. Blaukehlchen, Schilfrohrsänger (30- 50 BP), Rohrschwirl (20-30 BP) und Drosselrohrsänger (10-60 BP) sind Brutvögel der naturnahen Uferbereiche. Baumfalken, Wespenbussarde, Schwarzkehlchen und  Karmingimpel (15-20 BP) brüten in den umgebenden Mooren.


Lebensräume: Typische Voralpenlandschaft mit Mooren, Wäldchen und vorwiegend als Grünland genutzten landwirtschaftlichen Flächen. Entlang der Tiroler Ache und an der Achenmündung existiert ein Auwald. Knapp die Hälfte des Seeufers sind in naturnahem Zustand. Hier spielen Röhrichte eine wichtige Rolle als Lebensraum. In kleinem Umfang werden bei Niedrigwasser Schlickflächen frei, die dann für Zugvögel interessant sind.


Information: 

Wenden Sie sich mit besonderen Beobachtungen oder Fragen bitte an Dr. Michael Lohmann, Greimelstr. 64, 83236 Übersee-Feldwies, Tel. 08642-597340, Fax -597341, e-mail: lohmann.prien@t-online.de

http://www.mychiemsee.de/ : Allgemeine Touristeninformationen. U.a. eine Unterkunfts-suchmaschine.

Literatur:

Lohmann (1999): "Die Vögel des Chiemgaus". Gibt es als MS für 12,5 € (Kontakt: Dr. Michael Lohmann)

Karten:

Topographische Karten Bayern, Bl.7, Chiemsee, Chiemgauer Alpen
Bayerisches Landesvermessungsamt (April 2001)


Kompass Karten, Chiemsee, Simssee, Hochries, Kampenwald
Kompass Karten (2002)
 

ADAC FreizeitKarte, Bl.29, Chiemsee, Berchtesgadener Land, Chiemgauer Alpen
ADAC Verlag (2002)


Anfahrt:

Mit der Bahn und dem Fahrrad:

Bahnhöfe sind Prien, Bernau und Übersee. Aufgrund der Größe des Gebietes wird man mit dem Fahrrad nur einen Teil der Beobachtungspunkte an einem Tag erreichen können. Dank der zahlreichen Unterkunftsmöglichkeiten sind aber auch Mehrtagestouren möglich.

Mit dem Auto:

Die A8 (München-Salzburg) führt direkt südlich am Gebiet vorbei. Von Norden gelangt man über die B 304 und die B 299 an den Chiemsee.

 

Beobachtungsmöglichkeiten:

Vor allem im Winter lohnt sich eine Umfahrung des Sees, was auch an den kurzen Tagen zu schaffen ist, wenn man gezielt die besten Beobachtungspunkte ansteuert. 

Bei der Wahl der Route ist zu beachten: Bei Sonne ist am Irschener Winkel und in der Hirschauer Bucht nur morgens kein Gegenlicht. An der Autobahnraststätte Chiemsee kann nur in Fahrtrichtung München geparkt werden. 

Übersicht

Irschener Winkel (Felden) (1)

Der Irschener Winkel im Südwesten des Chiemsees ist eine flache, wasserpflanzenreiche Bucht mit Schlammflächen bei Niedrigwasser. Besonders Schwimmenten sowie durchziehende Rallen und Limikolen sind hier zu beobachten. Je nach Jahreszeit und Wasserstand neben Turm Lachsgang (3) und Hirschauer Bucht (4) lohnendster Beobachtungsplatz am See. Zufahrt über Autobahn-Ausfahrt Felden, Richtung „Medical Park“, davor großer Parkplatz (links halten); von dort etwa 200 m zu Fuß zwischen Klinik und Strandbad immer dem Weg folgend zur Bucht mit Seglersteg und Hütte (zum Unterstellen).

Autobahnraststätte Chiemsee (2)

Am Südufer des Chiemsees verläuft die A8 teilweise direkt am See. Wenn man die Autobahn Richtung München fährt, sollte man an der Autobahnraststätte Chiemsee zwischen den Abfahrten Übersee und Felden halten und den See bis zur Herreninsel absuchen. Im Winter kann man hier meistens Seetaucher entdecken. Außerdem wurden hier Schwalbenmöwe und Falkenraubmöwe gesehen.

Feldwieser Halbinsel mit Beobachtungsturm Lachsgang (3)

Autobahn-Abfahrt Übersee: An der Abfahrt fährt man nach Norden (durch die Weiler Baumgarten-Seethal-Heinrichswinkel) bis zu dem Sperrschild, das nach den vier letzten Häusern von Heinrichswinkel (die auf der rechten Straßenseite liegen) kommt. Der Ort ist etwas verwinkelt, doch so sollte man durchkommen: an der ersten Gabelung links, darauf immer geradeaus bis ein "Landschaftsschutzgebiet"-Schild kommt. Dort rechts und sofort wieder links bis ein "Durchfahrt verboten" - Schild kommt. Hier rechts fahren (durch ein großes Schild "Heinrichswinkel" markiert. Jetzt bis zum "Durchfahrt verboten" - Schild" und hinter den letzten Häusern parken (P3). Dann - den alten Lachsganghof im Visier - die 1,2 km bis zu dem Turm auf dem geschotterten Weg weiter laufen. Dazu wird der Hof überquert. Kurz darauf kommt rechts ein Wäldchen, in dem der Turm liegt. Je nach Jahreszeit und Wasserstand neben Irschener Winkel lohnendster Beobachtungsplatz am See: Kormorane, Gänse, Großmöwen, bis zu 200 Brachvögel, während der Zugzeiten zahlreiche Limikolen-Arten, außerdem im Winter Seetaucher

Im Winter lohnt es die Westseite der Feldwieser Halbinsel anzufahren: Nach der Abfahrt Übersee parallel zur Autobahn nach Westen Richtung Chiemseestrand. Der Parkplatz der "Seewirtschaft" (P1) liegt direkt am Ufer. Auf den Stegen des Feldwieser Hafens sind manchmal interessante Möwen zu beobachten. Weiter nach Norden gelangt man zum Strandbad (P2). Man geht durch den Gebäudedurchgang zum See. Im Winter guter Punkt für Seetaucher, Enten usw..

Für Radfahrer und Spaziergänger lohnend ist zu allen Jahreszeiten der landschaftlich reizvolle Weg vom Strandbad (P2) an der Westseite der Halbinsel  am Ufer entlang um die Nordspitze zur Nikolauskapelle und weiter zum Beobachtungsturm (in der Karte rot markiert). Zwischen Feldwieser Bucht und Nordspitze (2,5-3 km) gibt es im Winter auf dem See immer wieder etwas zu entdecken. 

Hirschauer Bucht, Grabenstätter Moos und Achen-Auwald (4)

Auch die Hirschauer Bucht mit Blick auf die Ostseite des Achendeltas (bei Sonne nur morgens gute Sicht) gehört zu den besseren Beobachtungspunkten. Beobachtungsbuch im Kasten an der Fischerhütte (Schlüssel hängt unten dran). Anfahrt: Autobahn-Ausfahrt Grabenstätt, Richtung Grabenstätt/Traunsreut/Chieming, durch die Orte Winkl, Grabenstätt und Hirschau. Gut 500 m hinter Hirschau führt links ein Schotterweg Richtung Hirschauer Bucht ("Gaststätte Hirschauer Bucht"). Von dem Ufer am Parkplatz der Gaststätte (P4) schaut man in die Bucht. Im Winter halten sich hier gelegentlich Singschwäne und Rohrdommeln auf. Im Bereich der Achenmündung (links im Blickfeld) überwintern regelmäßig ein bis drei Seeadler. Im Frühjahr und Sommer kann man in den umgebenden Altschilfbeständen Rohrschwirl, Schilfrohrsänger und Blaukehlchen beobachten/ hören.

Im Frühjahr und Sommer sind auch das Grabenstätter Moos und der Auwald der Achenmündung interessant. Im Grabenstätter Moos und im Bergener Moos brüten je 5-7 Paare des Karmingimpels. Gute Beobachtungsmöglichkeiten für diese Art bieten die Zufahrt zur Hirschauer Bucht und der Kanalweg von der alten Kläranlage (P5) zur Hirschauer Bucht (Wege rot markiert). Zum Achen-Auwald gelangt man von der Gaststätte über einen Weg nach Süden (ca. 1500 m), dann über die Rotgraben-Brücke durch den Auwald bis zum Achendamm (X), dem man nach Norden (in der Karte rot markiert) oder Süden folgen kann, dann aber wegen Sperrungen den gleichen Weg wieder zurück gehen muss. Im Achenauwald brüten Klein- und Grauspecht und Pirol.

Chieming-Nord (5)

In Chieming verlässt man kurz nach dem kleinen Pfeffersee rechts in der scharfen Rechtskurve die Hauptstraße und nimmt links die Straße nach Stöttham. Nach etwa 1 km zweigt eine kleine Straße links zum Müttergenesungsheim (früher Kurhaus) und Chiemsee ab (großer Parkplatz). Vom Seeufer hat man einen Blick auf eine lange Steinbuhne (bei Hochwasser überschwemmt). Hier trifft man auf allerlei rastende Vögel: Kormorane, Reiher, Großmöwen, Enten... . Im Winter ist der Platz gut für Seetaucher und Meeresenten.

Seebruck (6)

Durch Stöttham kommt man auf die große Straße Traunstein-Seebruck. Dieser Straße folgt man bis Seebruck. Kurz nachdem man die Alz überquert hat, folgt man nicht der scharfen Rechtskurve, sondern biegt nach dem Cafe Wassermann links zum Hafen ab (1). Vor dem Hafen-Restaurant zweigt eine Schotterstraße rechts ab (2) und endet an einem Eisentor, das nur während der Badesaison geschlossen ist (3). Ein paar Schritte weiter hat man vom Strandbad einen weiten Blick über den See und rechts in eine Bucht. Im Frühjahr ein guter Platz für Sumpfseeschwalben und Zwergmöwen, Schwarzhalstaucher und Enten. Zu den Zugzeiten trifft man hier auch auf Limikolen. Folgt man der Straße an der Kirche (4) vorbei nach Westen, kommt an deren Ende ein Ausgrabungs-Pavillon, von dem aus seewärts zur Brutzeit das Geschrei einer Lachmöwenkolonie zu hören ist. Hier und weiter westlich sind die meisten Drosselrohrsänger zu hören (5). Noch ein Stück weiter westlich (Parkplatz in kleiner Seitenstraße rechts), führt ein recht versteckter (und bei Hochwasser überschwemmter) Pfad durch Schilf zu einem Steg, von dem aus man ebenfalls schöne Beobachtungen machen kann.  Danach muss man durch den Ort zurück auf die Hauptstraße, folgt ihr Richtung Westen und kann noch einmal am Parkplatz Esbaum (6: Wenn man von Seebruck kommt, muss man bei einem Grünen Schild "Esbaum" links auf einen geschotterten Parkplatz fahren und kann dann zum Wasser vorgehen) sowie im Winter am Campingplatz Lambach (7) halten (viele Enten, auch Seetaucher und Meeresenten).

Karte verändert nach: Bayerisches Landesvermessungsamt, Bundesamt für Kartographie und Geodäsie 2000 - Top. Karte 1:50.000 Bayern 

Hafen Gstadt (7)

Nächster Halt auf der Strecke nach Prien ist der Hafen von Gstadt mit Blick auf Frauen- und Krautinsel, der aber in der Regel nur in Eiswintern in den Fahrrinnen der Passagierschiffe Besonderes (wie Eismöwen und Ohrentaucher) zu bieten hat. Anfahrt: In dem Ort, hinter der Kirche, kommt eine 90°-Rechtskurve. In dieser Kurve fährt man halblinks und erreicht kurz darauf den Hafen von Gstadt. Hier kann man parken und von den Stegen aus beobachten

Kailbacher Bucht (8)

In Richtung Westen geht es durch Breitbrunn. Etwa 1 km nach dem Ort zweigt (in Wolfsberg) eine kleine Strasse links nach Urfahrn ab; nach knapp 100 m nimmt man (nach einer Hecke) die erste kleine Straße rechts, die nach Kailbach führt. Kurz vor Kailbach (noch im Wald) geht es links zu einem kleinen Parkplatz, von dem aus man in wenigen Schritten am Nordufer der Kailbacher Bucht steht. Die tiefe Bucht ist oft reich an Haubentauchern und am rechten Ufer (der Halbinsel Sassau) halten sich oft große Zahlen von Enten auf.

Schafwaschen (9)

Zurück auf die Hauptstrasse und dort weiter Richtung Prien; nach 2,7 km biegt links eine Straße Richtung Guggenbichl/Schafwaschen ab. Diese hineinfahren. Nach weiteren 800 m kommt auf der linken Seite ein Abzweig zum "Seehof", von wo aus man den Aiterbacher Winkel (=Schafwaschener Bucht) gut überblickt. Zur Brutzeit viele Schwarzhalstaucher (mit Jungen), auch für Sumpfseeschwalben gut.

Strandbad Rimsting (Prienmündung) (10)

Vom "Seehof" geht es (über einen Buckel) an der Bahn entlang weiter Richtung Süden (Prien). Wo die Straße auf eine andere stößt, biegt man links ab und folgt dem Lauf der Prien bis zum Parkplatz des Strandbades. Man kann von den Stegen oder vom Ende der Landzunge aus die Bucht überblicken. Besonders interessant ist das schilfige Ufer im Osten (Westseite der Halbinsel Sassau). Auch auf Baumfalken achten.

Prien-Osternach (11)

Zurück zur Brücke über die Prien in Richtung Prien. Nach dem Ortsteil Westernach, kurz nach dem Ortsschild "Prien" biegt links die Osternacher Straße ab, diese fährt man hinein. Bei den ersten Häusern von Osternach geht links der Karpfenweg ab, von dem rechts der Forellenweg direkt zum See führt. Von dem Steg dort überblickt man links eine verschilfte Bucht, gegenüber das Südende der Halbinsel Sassau und rechts den See bis zur Herreninsel.


 

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