Das Vorarlberger Rheindelta
Christoph Moning und Christian Wagner
Stand: Mai 2004
Das Rheindelta ist das bedeutendste Beobachtungsgebiet am Bodensee und seit 1982 Feuchtgebiet von internationaler Bedeutung und Important Bird Area. Bis heute sind mehr als 340 Vogelarten beobachtet worden. Besonders bekannt wurde das Gebiet durch die immer wieder auftretenden Ausnahmeerscheinungen (v.a. Limikolen).
Voraussetzungen:
Mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar: Ja, wenn mit Fahrrad kombiniert (wenn alle Punkte angefahren werden, ist es ein Tagesausflug), der nächste Bahnhof ist Höchst
Ausrüstung: Fernglas und Spektiv
Zugänglichkeit der Beobachtungsstellen: leicht, jedoch muss man jeweils einige Kilometer gehen
Aufgrund der Vielfalt der auftretenden Arten werden hier nur diejenigen, die innerhalb des Bodenseegebietes besonders im Bereich des Rheindeltas gut beobachtet werden können, aufgeführt:
Sterntaucher Durchzügler (November/Dezember und April/Mai) und Wintergast
Rohrdommel Durchzügler und Wintergast in den großen Schilfflächen; September bis März
Zwergdommel seltener Brutvogel mit rund 10 Revieren in den Schilfflächen (z.B. am Schilfsaum der Fußacher Bucht). Mai/Juni bis Juli/Ende September
Nachtreiher unregelmäßiger Brutvogel in wenigen Paaren; alljährlicher Durchzügler in wechselnden Zahlen zwischen Anfang April und Ende September
Rallenreiher nicht alljährlich; Anfang Mai bis Mitte Juni
Seidenreiher Durchzügler; hauptsächlich von Mitte April bis Juni; unregelmäßig von Juli bis September
Silberreiher Gast von Ende August bis Ende November; wenige Winterbeobachtungen; Seit 1987 auch alljährlich im März und April vertreten
Purpurreiher unregelmäßiger Brutvogel in wenigen Paaren; jedes Jahr auf dem Durchzug besonders im Frühjahr (Mai/ Juni)
Singschwan Wintergast von Oktober/November bis März/April
Zwergsäger regelmäßiger Wintergast in stark wechselnder Anzahl von Mitte November bis Anfang März
Meeresenten und Mittelsäger Bergente, Eiderente, Samtente und Mittelsäger sind Wintergäste, die sich beispielsweise in der Flachwasserzone westlich des Rohrspitzes bis hin zum Wetterwinkel beobachten lassen
Kolbenente Brutvogel in rund 20 Paaren; häufiger Gast
Rotfußfalke regelmäßiger, nicht häufiger Durchzügler von Mai bis Mitte Juni und von Mitte August bis Mitte Oktober (siehe auch Beobachtungsmöglichkeiten)
Merlin Durchzügler ab Mitte September; wenige überwintern bis April
Wachtel Brutvogel in schwankender Anzahl
Stelzenläufer seltener und unregelmäßiger Gast von April bis Juni
Säbelschnäbler seltener Durchzügler; v.a. April/Mai
Knutt regelmäßiger Durchzügler in wenigen Individuen; Mai/Juni und August bis Oktober
Sanderling Durchzügler; Mai und August bis Oktober; vereinzelt im November
Zwergstrandläufer Durchzügler; Mitte April bis Mitte Juni und von Mitte Juli bis Ende Oktober; vereinzelt bis Januar
Temminckstrandläufer Durchzügler in geringer Zahl; Mai und von Mitte Juli bis Mitte Oktober
Graubruststrandläufer seltener Durchzügler
Sichelstrandläufer Durchzügler in wenigen Individuen; Ende März bis Anfang Juni und zahlreicher von Mitte Juli bis Ende Oktober
Uferschnepfe Brutvogel in wenigen Paaren und Durchzügler (März bis Mitte Mai; weniger zahlreich von Mitte Juli bis Ende September)
Pfuhlschnepfe Durchzügler in wenigen Individuen; Mitte März bis Mitte Mai sowie von August bis Mitte Oktober (dann zahlreicher)
Zwergschnepfe regelmäßiger Durchzügler; v.a. von Ende September bis Ende November sowie März bis Ende April
Regenbrachvogel Durchzügler; Anfang April bis Mitte Mai und weniger häufig von Mitte Juli bis Mitte September
Großer Brachvogel Brutvogel in abnehmender Zahl; Durchzügler im März/April; 400 bis 600 Altvögel mausern zwischen Juli und November; regelmäßiger Überwinterer
Dunkler Wasserläufer Durchzügler; Mitte März bis Mitte Mai sowie von August bis November
Rotschenkel Durchzügler; Mitte März bis Ende Mai/Anfang Juni und von Ende Juli bis Anfang Oktober
Teichwasserläufer seltener, aber regelmäßiger Durchzügler; im Gegensatz zum Unteren Inn werden die meisten Vögel im April gesichtet
Grünschenkel Durchzügler; Anfang April bis Mitte Mai und Mitte Juli bis Ende Oktober
Steinwälzer regelmäßiger Durchzügler im Mai und von August bis Oktober
Schmarotzerraubmöwe Durchzügler in geringer Zahl im Mai und zwischen Ende Juni und Ende November
Schwarzkopfmöwe seit 1989 Brutvogel mit 1-5 Brutpaaren in der Lagune zwischen der Mündung des Neuen Rheins und der Fußacher Bucht; Durchzügler von Mitte März bis Juni und seltener von August bis November; einzelne Überwinterungen
Zwergmöwe Durchzügler von Mitte April bis Mitte Juni und von Ende Juli bis Anfang November
Raubseeschwalbe regelmäßiger Durchzügler im Herbst (Maximum im August/September); selten im Frühjahr
Brandseeschwalbe Durchzügler in wenigen Individuen zwischen Mai und Anfang Oktober (Maximum: Anfang August)
Flussseeschwalbe regelmäßiger Brutvogel in der Lagune zwischen der Mündung des Neuen Rheins und der Fußacher Bucht sowie am Alten Rhein; Durchschnittlich 110 Brutpaare
Zwergseeschwalbe Gast von Mai bis September
Sumpfseeschwalben
(v.a. Fußacher Bucht)
Weißbartseeschwalbe (unregelmäßig; Mitte April bis Mitte Juni)
Weißflügel-Seeschwalbe (regelmäßig; Mai, sehr wenige im August/ September)
Trauerseeschwalbe (regelmäßig; Mitte April bis Anfang Juni und Ende Juli bis Ende September)
Wiedehopf Durchzügler; Ende März bis Anfang Juni (Maximum in der zweiten Aprilhälfte)
Kurzzehenlerche seltener Durchzügler mit 1-4 Individuen pro Jahr; im Frühjahr regelmäßig, im Herbst nicht alljährlich
Brachpieper Durchzügler; April/Mai (Maximum) und Mitte August bis Ende September (Oktober)
Rotkehlpieper Durchzügler; Mitte April bis Mitte Mai (Maximum) und Mitte September bis Mitte Oktober
Bergpieper häufiger Durchzügler im Herbst; regelmäßiger Wintergast
Braunkehlchen Brutvogel und Durchzügler; April bis Mitte Mai und Anfang August bis Oktober
Schwarzkehlchen Brutvogel und Durchzügler: Anfang März bis Anfang Mai sowie im September und Oktober
Steinschmätzer Durchzügler; Ende März bis Ende Mai (Mit Maximum im April/Mai) und Mitte August bis Anfang November (dann weniger zahlreich)
Rohrschwirl Brutvogel mit rund 6 Paaren; regelmäßiger Durchzügler im April und Mitte Juli bis Anfang Oktober
Drosselrohrsänger Brutvogel in den Schilfflächen; Ende April/Mai bis Ende Juli/Ende August
Bartmeise Jahresvogel; Maximum von Ende Oktober bis Ende November
Schneeammer Alljährlich wenige Durchzügler und Wintergäste zwischen November und März (Maximum in der zweiten Novemberhälfte)
Grauammer Brutvogel in wenigen Paaren
Ortolan Durchzügler; Mitte April bis Anfang/Mitte Mai (Maximum) und Ende August bis Anfang Oktober (dann weniger zahlreich)
Zaunammer Etwas weiter südlich des Rheindeltas an den klimatisch begünstigten Weinbergen am Westhang des Alpenrheintals um die Orte Berneck (westlich von Lustenau) und Balgach brüten rund 10 Paare.
Daneben gibt es noch viele weitere häufigere oder nicht alljährlich auftauchende Gäste! Quelle: Die Vögel des Bodenseegebietes (1999; Heine, Jacoby, Leuzinger, Stark), Ornithologische Jahreshefte für Baden-Württemberg 14/15
Lebensräume:
Das Gebiet liegt zwischen dem Alten Rhein im Westen und der kanalisierten Dornbirner Aach im Osten und umfasst Auwälder, Streuwiesen, Röhrichte, Schlickflächen und Flachwasserzonen. Darüber hinaus sind intensiv genutzte Flächen und Dämme Teil des Naturschutzgebietes. Im Rheindelta treffen zwei wichtige Zugleitlinien zusammen: der Nordrand der Alpen und das Tal des Alpenrheins, das bei gutem Wetter in beiden Richtungen zur Alpenüberquerung benutzt wird. Dadurch ist auch das relativ häufige Auftauchen von Seltenheiten zu erklären.
Information:
Rheindeltahaus
Im Boeschen 25
A-6971 Hard
Tel. (+43) 05578 / 74478
Fax (+43) 05578 / 744784
http://www.umg.at/rheindeltahaus.php
Literatur:
Die Vögel des Vorarlberger Rheindeltas (1977; Vinzenz Blum), herausgegeben von der ornithologischen Arbeitsgemeinschaft Bodensee, Konstanz.
Anfahrt:
Mit der Bahn und dem Fahrrad: Der nächste Bahnhof liegt in Höchst.
Mit dem Auto:
Beobachtungsmöglichkeiten:
unten beschriebene Wege sind orange eingezeichnet
Schleiloch (rechter Rheindamm):
Das Schleiloch erreicht man von Bregenz aus auf der B 202 Richtung Fussach. Direkt vor der Brücke über den Neuen Rhein biegt man nach rechts ab und erreicht entlang des Dammes nach zirka 1,2 km den Parkplatz (1) bei der Gaststätte „Fischerheim“ (Am rechten Rheindamm, 6971 Hard, Tel. 0043/5574/78220) Schranke).
Von dort geht es auf dem Damm 4 km auf den Bodensee hinaus (mit dem Fahrrad befahrbar, 2). Die Artenzusammensetzung ist ähnlich, wie im Sanddelta. Besonders in den letzten Jahren sind rechts des Dammes ausgedehnte Schlickflächen entstanden, die vom Sanddelta aus schlecht einsehbar sind. Im Schleiloch selber hat man gute Chancen die Zwergdommel (2003: 3 BP und damit bester Platz im Rheindelta) und andere Schilfbewohner zu sehen. Der Besuch des Sanddeltas und des Schleilochs an einem Tag bringt wenig unterschiedliche Arten und ist ohne Fahrradbenutzung anstrengend, so dass man sich bei eingeschränktem Zeitbudget vor allem auf das Sanddelta konzentrieren sollte. Das Schleiloch kann auf einem Fußweg umrundet werden.
Blick in die Fussacher Bucht (3): Anfahrt auf B 202 wie zum Schleiloch, man biegt aber erst nach der Neuen-Rhein-Brücke rechts ab. Von Höchst und der Schweiz kommend ist der Abzweig dicht hinter dem Ortsausgangsschild von Fussach. Nach zirka 800 m geht 50 m vor einem Wasserarm und einem auffälligen Eisenturm nach links die Hafenstrasse ab. Dieser folgt man bis zum Halteverbot auf beiden Straßenseiten (kurz darauf ist ein Fahrverbotsschild). Kurz vor diesem Bereich liegen Haltebuchten zum Parken.
Von dort zu Fuß links entlang des Hafens nach wenigen hundert Metern zu einen Aussichtspunkt (3), von dem aus man in die (innere) Fussacher Bucht sieht. Vom 20. April bis Ende Mai hat man dort die besten Chancen auf durchziehende Trauer-, Weißbart- und Weißflügelseeschwalben. Bei Niedrigwasser sind die Schlickflächen für Limikolen interessant. Das Absuchen des Schilfrandes der Fussacher Bucht kann ebenfalls lohnend sein (Zwergdommel, Rallen).
Sanddelta (linker Rheindamm) (5)
Das Sanddelta ist Pflichtprogramm für jeden ornithologisch interessierten Bodenseebesucher. Man erreicht es, indem man der Beschreibung von 3 folgt, aber nicht links in die Hafenstraße abbiegt, sondern bis zur Schranke (Parkplatz) dem Damm folgt (von der Abzweigung von der B 202 1,6 km) (4). Am Parkplatz sind Hinweistafeln zum Schutzgebiet aufgestellt.
Zu Fuß geht es weiter und kurze Zeit nach dem Parkplatz beginnen rechterhand am Neuen Rhein die ersten Schlickflächen, auf denen oft Limikolen rasten (sofern der Wasserstand niedrig genug ist). Kurz danach kommt linkerhand die Lagune mit der Flussseeschwalbenkolonie, in der einige Schwarzkopfmöwen und Schwarzhalstaucher brüten. 2003 brütete auch die Zwergdommel in der Lagune. Man kann die Lagune auf dem Rückweg gegen den Uhrzeigersinn umrunden. Seit einigen Jahren muss man für die besten Schlickflächen den Rheindamm bis zum Ende des Rheindamms gehen (5) (unter anderem Limikolen, Möwen und Seltenheiten). Hin- und Rückweg umfassen zusammen rund 7 km (ohne Lagune). Lokale Ornithologen kommen deshalb mit dem Fahrrad.
Rohrspitz:
Die kleine Fahrstrasse zum Rohrspitz beginnt in Hoechst, das zwischen Bregenz und der Schweizer Grenze liegt. Man verlässt in Höchst die B 202, die links in Richtung Schweiz abbiegt und fährt geradeaus Richtung Gaißau. Ein Wegweiser markiert den Beginn des kleinen, winkeligen Sträßchens zum Seerestaurant „Glashaus“ (6) und östlich anschließend zum Campingplatz „Salzmann Rohrspitz“ (http://www.salzmann.at/willkommen.htm, Parkplätze dort gebührenpflichtig).
Schon bei der Anfahrt kann man auf den Feuchtwiesen zur Zugzeit Limikolen, Pieper, Braunkehlchen (2003: 22 Reviere) und Steinschmätzer sowie in den Gebüschen ziehende Singvögel beobachten. Direkt vor dem Restaurant (7) liegen im Winterhalbjahr gerne Singschwäne. Zwergschwäne wechseln bei hohem Wasserstand vom Eriskircher Ried zum Rohrspitz. Außerdem ist dort eine Sandinsel, auf der oft Limikolen zu finden sind. Rechtshaltend auf dem Damm kann man am Campingplatz vorbei die Fussacher Bucht umrunden (8). Dabei sollte man auf Seeschwalben und Enten in der Bucht und auf Schilfbewohner (Drosselrohrsänger, Rohrschwirl, Zwergdommel; diese aber besser im Wollmatinger Ried) in den Schilfflächen vor dem Damm achten. Auf dem Rückweg kann man auch einen Abstecher über die Wiesen südlich des Dammes machen (9). Der Schotterweg geht kurz vor dem großen Pumpwerk nach rechts in die Wiesen. Dort brüten Baumfalken, Uferschnepfen (nicht mehr regelmäßig), Brachvögel (2003: keine Brut), sowie Braun- und Schwarzkehlchen (2003: 4-5 Reviere). Zur Zugzeit gibt es hier immer wieder interessante Arten wie Ortolan oder Wiedehopf zu sehen. Der Weg direkt bis zum Rohrspitz (10) ist vor allem für die Beobachtung von Schilfbewohnern interessant, bei hohen Wasserständen aber gelegentlich überschwemmt. Vom „Glashaus“ aus dem Damm links folgend (nach Westen), gelangt man nach zirka einem Kilometer an ein Pumpwerk mit einer Telefonleitung (11). Dies soll im Mai ein guter Platz für Rotfußfalken sein. Auch für Singvögel ist der Weg ganz interessant.
Rheinspitz und Wetterwinkel:
Von Höchst kommend fährt man nach Gaißau. Hinter der Kirche oder direkt vor der Brücke über den Alten Rhein (man kann die Augenfarbe der Schweizer Grenzbeamten schon erahnen) führen zwei Straßen nach rechts, die sich vor einem Sportplatz wieder vereinen. Weiter folgt man dem Sträßchen flussabwärts bis zum Endparkplatz im Wald (12).
Das NSG Rheinholz (13) ist das größte zusammenhängende Auwaldgebiet im Bereich des Rheindeltas und deswegen vor allem Frühjahr interessant. Pirol, Kleinspecht und andere Auwaldarten sind dann besonders aktiv. Der Baumfalke brütet im Randbereich (2003: 1 BP). Der gesamte Weg von dem Parkplatz bis zum Rheinspitz und zurück ist 4,5 km lang.
Meist lohnt sich auch ein Blick in den Wetterwinkel (14). Vom Parkplatz folgt man dem nordöstlich abgehenden Weg aus dem Wald Richtung Hafen Gaißau (hier Möglichkeit, den See zu erreichen). Kurz vor dem Hafen folgt man einem Wiesenwegchen entlang der Schilfkante nach links bis zu einer Scheune. Dort ermöglicht ein Damm den Zugang zum Wasser. Guter Überblick über die Mauser- und Überwinterungstrupps der Entenvögel im Wetterwinkel (Details unter dem Abschnitt: Interessante Arten). Bei Niedrigwasser treten im Wetterwinkel interessante Schlickflächen zutage. Die seeseitigen Schilfflächen sind von den Brutvögeln her ähnlich interessant wie die an der Fussacher Bucht. wenn man dem Wiesenwegchen geradeaus folgt, kommt man auch zum Rheinspitz und kann auf diese Weise eine Rundtour machen.
_E-Mail: info@birdinggermany.de_