Helgoland

  

Christoph Moning

Helgoland ist Deutschlands einzige Insel im offenen Meer und auch der einzige Brutplatz von Hochseevögeln wie Basstölpel, Eissturmvogel oder Lummen innerhalb der Bundesrepublik. Die Hauptinsel umfasst rund 90 ha und ragt als ein bis zu 60 Meter hoher Buntsandsteinblock aus dem Meer. Benachbart liegt die rund 60 ha große Insel Düne. 

Legendär und für Deutschland einmalig ist der Artenreichtum auf Helgoland. Über 370 Vogelarten wurden bisher nachgewiesen. Durchschnittlich 240 Vogelarten werden pro Jahr registriert. Dies hängt unter anderem mit Helgolands isolierter Lage in der Norddeutschen Bucht zusammen: Durchziehende oder verdriftete Vögel werden von der Insel als willkommener Rastplatz angezogen. Daher wird auch alljährlich eine Vielzahl seltener Arten auf Helgoland gefunden. Besonders die Zugzeiten bieten immer wieder Überraschungen. So ist jeder Helgolandbesuch immer mit dem Reiz verbunden, besondere Arten sehen zu können. Auch die Möglichkeit Hochseevögel zu beobachten, trägt zum besonderen Charakter der Vogelbeobachtung auf dieser Insel bei. Die Biologische Anstalt und die Vogelwarte sind bekannte Institutionen der Insel. Die Schutzgebiete werden seit 1983 vom Verein Jordsand betreut.

 

Voraussetzungen:

Mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar: ja

Ausrüstung: Spektiv und Fernglas; im Winter warme Bekleidung

Zugänglichkeit der Beobachtungsstellen: leicht; das Felswatt an der Westküste der Hauptinsel darf nicht betreten werden.


Interessante Arten:

Der Winter ist die artenärmste Jahreszeit. Auf dem Meer und vom Ufer aus sind Wintergäste wie Stern-, Pracht-, Ohren- und Eistaucher (die beiden Letzteren auch regelmäßig), Möwen (darunter Mantel-, Zwerg-, Dreizehen- und selten auch Eis- (fast alljährlich) und Polarmöwe), Enten wie Berg- (von Jahr zu Jahr verschieden), Eis- (bescheidene Zahlen), Eider-, Samt- oder Trauerente (in strengen Wintern große Konzentrationen der beiden letzten Arten) oder auch Lummen wie Trottellumme, Gryllteiste, Tordalk und selten auch Krabben- und Papageitaucher zu beobachten. Zwergschnepfen sind am Rand von Gewässern (auf der Düne) und in wiesenartigen Strukturen versteckt. Meerstrandläufer bevorzugen felsige Küstenabschnitte wie Molen oder das Felswatt. Ohrenlerchen, Berghänflinge, Schnee- und  Spornammern überwintern ebenfalls auf der Insel. Ab April gewinnt das Zuggeschehen an Bedeutung. Regelmäßigere Seltenheiten sind dann Wiedehopf, Mornellregenpfeifer (v.a. Oberland und Düne), Rotkehlpieper oder Sporn- und Brachpieper (ab Ende des Monats). Im Mai wurden neben den genannten Arten unter anderem Rotfußfalken, Rotkopfwürger und Kurzzehenlerchen gehäuft festgestellt. Das intensive Zuggeschehen setzt sich bis Anfang Juni fort. Im Juni wurde der Grünlaubsänger vermehrt beobachtet. Die Art hat auch schon auf Helgoland gebrütet. Zwischen Mai und Anfang August wird es um die Seltenheiten meist etwas ruhiger (z.B. Rosenstar und Papageitaucher) und das Brutgeschehen rückt in den Vordergrund. Generell brüten nur sehr wenige Arten auf Helgoland. Beispielsweise brüteten 2004 rund 30 Arten auf der Hauptinsel und 24 Arten auf der Düne. Dennoch bietet die Seevogelkolonie an den Felsen zwischen Oberland und Felswatt (v.a. NSG "Helgoländer Lummenfelsen") einmalige Eindrücke. Der Bestand der Trottellumme hatte sich in der Kolonie von 3000 Brutpaaren 1995 auf 1400 Brutpaare 1997 verringert. Zuvor war der Bestand seit den 70er Jahren gestiegen (Mädlow & Model 2000). 1998 brüteten wieder 2400 Paare und nach Angaben des Instituts für Vogelforschung "Vogelwarte Helgoland" brüteten 2004 2388 Brutpaare auf Helgoland. Auch einige Tordalkpaare brüten seit 1980 in der Lummenkolonie. Waren es 1998 noch 11 Paare, so brüteten 2004 nach Angaben des Instituts für Vogelforschung "Vogelwarte Helgoland" 16 Paare. Die Lummenkolonie liegt im nördlichen Teil der Westklippe. Bereits im Winter erscheinen die Lummen in der Nähe der Brutfelsen und besetzen etwa Mitte April ihre Brutplätze. Wenn die Jungen geschlüpft sind, werden diese 20 bis 25 Tage lang gefüttert, bevor sie durch den spektakulären Lummensprung in der Abenddämmerung zwischen dem 25. Juni und dem 17. Juli (Median: 6. Juli) ihren Eltern auf die offene See folgen. Der Eissturmvogel brütete erstmals 1972 in Deutschland auf Helgoland. Der Brutbestand nahm kontinuierlich zu. 1996 brüteten bereits 53 Paare dort. 1998 waren es 86 Paare und nach Angaben des Instituts für Vogelforschung "Vogelwarte Helgoland" brüteten 2001 92 Paare auf Helgoland. Die Brutzeit liegt zwischen Mai und Oktober. Der Basstölpel brütet erst seit 1991 auf der Insel. 1996 brüteten 5 Paare und 1998 bereits 38 Paare auf Helgoland (Hartwig & Kob 1999). Nach Angaben Angaben des Instituts für Vogelforschung "Vogelwarte Helgoland" waren es in der Saison 2004 190 Paare! Die Vögel brüten zwischen April bis Ende September. Die zahlenmäßig stärkste Fraktion in der Seevogelkolonie bilden die Dreizehenmöwen. 1998 brüteten 7020 Paare auf Helgoland (Hartwig & Kob 1999). In der Saison 2004 waren es nach Angaben des Instituts für Vogelforschung "Vogelwarte Helgoland" 7195 Brutpaare. Die Brutzeit beginnt im Mai und und endet Mitte/Ende August. Zwischen Ende August und Anfang November steht das Zuggeschehen dann wieder im Vordergrund. Es ist eine sehr artenreiche Zeit. So konnten bei einem Birdrace am 5.10.2002 122 Arten festgestellt werden! Für eine Nordseeinsel ungewöhnlich erscheinende Arten wie Waldschnepfe und Wendehals (August-Oktober) sind nun regelmäßig zu beobachten. Kurzschnabel- und Weißwangengänse überfliegen ab Oktober/November die Deutsche Bucht und sind dann regelmäßig von Helgoland aus zu beobachten.

Der Kleinvogelzug ist sowohl im Frühjahr als auch im Herbst eine auffällige Erscheinung auf Helgoland. Zu den Vögeln, die vermehrt an Zugtagen (manchmal Masseneinfälle) auftauchen, gehören Rotkehlchen, Birkenzeisig, Bergfink, Ring-, Sing- und Rotdrossel, Zilpzalp, Fitis, Feldlerche, Wiesenpieper, Heckenbraunelle, Gartenrotschwanz, Steinschmätzer, Dorngrasmücke, Braunkehlchen und Trauerschnäpper. Zu dieser Zeit werden auch wieder sehr viele Seltenheiten auf Helgoland gesehen. Darunter sind besonders die Laubsänger (u.a. Gelbbrauen-Laubsänger in der ersten und Goldhähnchenlaubsänger in der zweiten Oktoberhälfte) sowie die Pelagen, die während der alljährlichen Herbststürme zu beobachten sind, hervorzuheben. Zu beiden Artengruppen existieren Sonderseiten auf dieser Internetseite (auf den jeweiligen Link klicken). Weitere regelmäßige Seltenheiten im Herbst sind unter anderem Rotkehl- und SpornpieperSperbergrasmücke und Kurzzehenlerche. Unter den Seltenheiten sind im Spätherbst auch Thorshühnchen zu erwarten.


Lebensräume: 

In Deutschland einmalige Lebensräume sind das Felswatt und die Buntsandsteinfelsen. Ansonsten herrscht ein kleinräumiges Mosaik aus Siedlungsflächen, Molen, Parkanlagen, Grasland, Dünen, Stränden und Kleingewässern vor.


Information:

Auf Helgoland: 

  • Informationszentrum des Verein Jordsands: Hummerbude Nr. 35 am Binnenhafen. Öffnungszeiten: Mo - Fr: 13:00 - 16:00 Uhr. (1)

  • Kurverwaltung mit Information und Zimmervermittlung (2)


Anfahrt:

Mit der Bahn und dem Fahrrad: Die Anreise ist mit dem Flugzeug oder dem Schiff. Informationen unter http://www.helgoland.de/reise01.htm. Reguläre Abfahrtshäfen sind von Nord nach Süd: Hörnum auf Sylt, Wittdün auf Amrum, Wyk auf Föhr, Büsum, Hamburg/Wedel, Cuxhaven, Bremerhaven, Bremen, Wilhelmshaven/ Hooksiel, Wangerooge, Spiekeroog, Langeoog und Norderney.

Mit dem Auto: nicht möglich

 

Beobachtungsmöglichkeiten:

verändert nach: Faltblatt "Naturschutzgebiete "Helgoländer Felssockel" und "Lummenfelsen" der Insel Helgoland - Kreis Pinneberg, Amt für Umweltschutz; Die Ministerien für Natur und Umwelt des Landes Schleswig-Holstein, 10/ 94

Schon die Fahrt auf die Insel ermöglicht Beobachtungen von Seevögeln wie Raubmöwen, Basstölpeln, Dreizehenmöwen oder Seeschwalben sowie von über das offene Meer ziehenden Singvögeln. Der beste Aussichtspunkt ist dabei der Bug des Schiffes. Diese Position hilft auch gegen die bei Helgolandfahrten weit verbreitete Seekrankheit. Bei der Abfahrt von den Nord- und Ostfriesischen Inseln kann man auf den Sandbänken gelegentlich Seehunde und Kegelrobben beobachten. Auf Helgoland können potenziell überall Vögel beobachtet werden. Die aktuellen Beobachtungen werden an der Hummerbude Nr. 35, dem Informationszentrum des Vereins Jordsand am Binnenhafen (Mo-Fr 13:00 - 16:00 Uhr) ausgehängt (1). Ansonsten sind immer irgendwo Beobachter unterwegs, die nach aktuellen Neuheiten befragt werden können (Wenn irgendwo Leute mit einem Spektiv hektisch rennen, lohnt es sich fast immer ihnen nachzueilen). Im Sommer ist der Klippenrandweg auf dem Oberland lohnend (gelb eingezeichnet). Hier kann man am Lummenfelsen alle brütenden Hochseearten wie Basstölpel, Lummen oder Dreizehenmöwen hervorragend beobachten (3). Ein Blick auf die Nordmole hinter der Langen Anna ist oft gut für Möwen und die gelegentlich dort auftauchende Krähenscharbe (4). Da das Oberland sonst wenig Büsche aufweist, bietet es zur Zugzeit nur für wenige Arten wie dem Mornellregenpfeifer oder dem Steinschmätzer Rastmöglichkeiten. Gebüsche, die vor allem für Laubsänger interessant sind, können unter anderem in folgenden Bereichen gefunden werden: Kurgelände (5), Biologische Forschungsanstalt (6) und die Bereiche Mittelland (7), Kringel (8) und die Treppe und Weg vom Unter- zum Oberland (10). Der Mittellandbereich ist generell interessant für den Vogelzug, da gleichzeitig die Gebüsche und das Meer beobachtet werden können. Das Südhafengelände (11) bietet für rastende Pieper, Lerchen und Ammern Lebensraum. Im Bereich des Vorhafens kann es sich lohnen die Südmole entlangzugehen. Hier können regelmäßig Möwen, Lummen und im Winter Meerstrandläufer beobachtet werden. Der Strandbereich bei der Jugendherberge (9) ist manchmal für Limikolen und zur Beobachtung von Pelagen interessant. Auf der Düne sind folgende Bereiche von Interesse: Die Teiche im Zentrum der Insel (12) sind gut für die Wasserralle und für die Zwergschnepfe im Winter. Die Nordostmole (13) sowie die Aade (14) gehören zu den deutschlandweit besten Beobachtungsplätzen für Hochseevögel während stürmischer Westwindsituationen im Herbst (beispielsweise sind dann Dunkle Sturmtaucher regelmäßig). An den Stränden der Dünen sind regelmäßig Limikolen zu beobachten.


 

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