Italien

Po Delta und Alpen

24. bis 27. Mai 2001


Reisebericht                 Artenliste


Christoph Moning christoph.moning@stud.weihenstephan.de

Elmar Witting

Strategie und Logistik:

Unsere Strategie war es, möglichst viele Gebiete zu besuchen, um uns zunächst einen guten Überblick zu verschaffen. Lohnende Bereiche wurden dann mehrmals besucht. Das Ziel war (neben einer möglichst kompletten Artenliste) einige persönliche Erstbeobachtungen zu machen. Auf der Wunschliste standen Zwergscharbe, Zwergdommel, Rallenreiher, Rotflügel-Brachschwalbe, Dünnschnabelmöwe und Orpheusspötter ganz oben.

Wir sind im eigenen Auto gereist, was zur Erkundung des Gebietes unerlässlich ist. Übernachtet wurde im Zelt auf dem Campingplatz von Lido di Spina. Sehr empfehlenswert, da er mitten im interessanten Gebiet liegt. Die Übernachtung hat umgerechnet ~12,- DM pro Person gekostet. Es gibt aber auch kleinere Hütten oder Chalets zu mieten, die nicht mehr teurer als die Zeltübernachtung sind, wenn man zu viert oder fünft ist.

Benzin ist auch in Italien nur noch ab ca. 2,-DM zu bekommen. Die örtlichen Supermärkte bieten alles, was man benötigt zu vernünftigen Preisen.

Reisezeit & Klima:

Ende Mai überwiegt in der besuchten Region eindeutig der Brutvogelaspekt. So konnten wir in exzellenten Flächen im Po Delta kaum noch Limikolen beobachten.

Wer die ganze Palette der typischen Brutvogelarten sehen möchte, sollte das Gebiet ebenfalls Ende Mai besuchen. Alle Brutvögel sind voll anwesend und durch Balz und Brutgeschäft relativ aktiv. Anfang Mai verbindet wahrscheinlich den Zug- und den Brutvogelaspekt am besten.

Das Wetter war warm und angenehm. Kein Regen.

Informationsquellen:

Die Informationsrecherche wurde eher oberflächlich durchgeführt, da wir auf Empfehlungen von Bekannten zurückgreifen konnten. Generell scheint es aber eher wenig Informationen zu geben. Zumindest was das Internet angeht. Zitat: „In Italien gibt es nur Spatzen zu sehen.“. Unserer Meinung nach ist z.B. das Po Delta verglichen z.B. mit dem Bekanntheitsgrad des Neusiedler Sees eindeutig unterbewertet, was auch mit daran liegen könnte, dass nur wenige Informationen über das Po Delta in die hiesige Ornigemeinde fließen. Das soll sich mit diesem Bericht etwas ändern.

Zwei Internetadressen sind interessant:

http://home.xnet.it/tout/adriati1.htm oder http://www.spin.it/~tout/adriati2.htm - sehr empfehlenswerte, kommentierte Artenliste der Region (nördliche Adria)

http://www.parks.it/parco.delta.po.er/Eindex.html - Allgemeine Informationen zum Gebiet. Gute Einführung in gewöhnungsbedürftigem Englisch.

– Die Beobachtungsgebiete –

Die besuchten Gebiete wurden entweder gezielt angelaufen oder ergaben sich während der Anfahrt.

Wer zu den Gebieten mehr über die beobachteten Arten oder Gegebenheiten wissen möchte, ist herzlich eingeladen uns zu kontaktieren.

Die verwendeten Karten stammen aus dem Programm Microsoft Map Point.

Alpen

Es lohnt sich auf jeden Fall, einen oder mehr Beobachtungstage auf die Überquerung der Alpen zu verwenden, auch wenn man wahrscheinlich „nur“ die typische Alpen-Avifauna zu Gesicht bekommt, kann man landschaftlich großartige Einblicke erhalten.

Felsen und Hänge an der A 22 zwischen Trento und Bozen:

Ein guter Stop auf der Fahrt in den Süden. Bei Margreid auf einem Rastplatz konnten u.a. Wespenbussarde, ein Steinadler, Schwarzmilane Felsenschwalben und Kolkraben beobachtet werden.

Falzaregopaß und Perdoijoch:

Diese beiden Pässe sind landschaftlich sehr lohnend. Auch ornithologisch ist die Region interessant. Schneefink, Alpenbraunelle, Ringdrossel, Bergpieper, Steinadler, Tannenhäher und andere typische Alpenarten konnten ohne größeren Aufwand entdeckt werden.

Po Delta

Das Gebiet umfasst weit mehr als das eigentliche Delta. Dennoch sprechen wir im Folgenden vom Po Delta wenn wir das gesamte besuchte Gebiet meinen. Zur Brutzeit sind v.a. auch die Lagunen bei Comacchio sehr interessant.

- Übersicht -

1: Campingplatz und nahegelegener Strand

 Fährt man von der E 55 nach Lido di Spina (südlichste Abfahrt), passiert man einen Kanal, an dem direkt an der Straße Bienenfresser brüten. Der Campingplatz liegt im Süden des Ortes nahe dem Strand. Nachts hört man Ziegenmelker und Zwergohreule. Nahe der Zufahrt singen Orpheusspötter.

Der nahegelegene Strand lohnt sich zur Brutzeit nicht übermäßig. Am besten früh morgens beobachten, da sonst mehr Touris als Vögel zu sehen sind. Interessante Arten waren Wiesenweihe, Samtkopf-Grasmücke, Cistensänger, Orpheusspötter, Seeregenpfeifer, Rotschenkel und diverse Seeschwalben.

4: Salinen

 Die Einfahrt zu den Salinen liegt an der E 55 hinter der Brücke nach Comacchio (von Norden kommend) rechts nachdem man einen Kanal überquert hat. Ein kleines Schild weist ebenfalls auf die Einfahrt hin. Nach kurzer Zeit erscheinen links die ersten Becken. Leider darf man nicht weiter als bis zu einer Schranke passieren, an die man nach einigen 100 m gelangt. Dennoch erhält man einen recht guten Einblick in das riesige Gebiet. Zur Zugzeit sind zahlreiche Limikolen zu beobachten. Uns blieben v.a. noch große Möwenschwärme am abendlichen Rastplatz. So konnten größere Mengen Schwarzkopf- und Dünnschnabelmöwen sowie Rosaflamingos bestaunt werden.

 2: Valle Mandriole und Punte Alberete

Diese beiden Gebiete gehören zur Brutzeit sicherlich zu den besten Flächen, die man im Po Delta besuchen kann. Das Valle Mandriole erreicht man von Norden über die E 55. Im Südosten des Gebietes befindet sich ein großer Beobachtungsturm nahe der Straße. Von hier aus hat man einen hervorragenden Blick in die überschwemmte Fläche. Inseln aus Schilf und Büschen schaffen ein reichhaltiges Mosaik, in dem sich u.a. Purpur-, Silber-, Seiden-, Grau- und Rallenreiher, Zwergdommeln, Zwergscharben, Löffler, Sichler, Lachseeschwalben und Beutelmeisen tummeln.

Das Gebiet Punte Alberete liegt weiter südlich an der E 55. Ein Parkplatz liegt direkt vor dem zweiten Kanal nachdem man den Aussichtsturm von Valle Mandriole verlassen hat. Von hier aus gibt es zwei Rundwege, die von dem Parkplatz aus in das Gebiet führen. Einer führt durch den westlichen Auwaldbereich. Weite Teile dieses Waldes stehen im Wasser, Silberweiden dominieren. Beutelmeisen, Nacht-, Rallen- und Purpurreiher sind häufig. Wir konnten hier auch Orpheusspötter, Zwergscharbe und Moorente beobachten. Der beste Teil ist der Nordwestliche.

Der andere Weg verläuft nach Osten zunächst durch weniger interessanten Wald in eine weite Lagunenlandschaft. Der genaue Wegverlauf ist auf den Tafeln vor Ort verzeichnet. In den Lagunen haben wir Weißbart-, Lach-, Zwerg-, Trauer- und Flussseeschwalben beobachtet. Drosselrohrsänger und Nachtigallen rufen überall. Ebenso konnten u.a. Dünnschnabelmöwen und Zwergdommeln ausgiebig bewundert werden.

Die diversen Verbotsschilder beziehen sich auf das Jagdverbot, d.h. einfach dem Weg folgen wie auf den Karten vor Ort verzeichnet.

3. Südliches Valli di Comacchio

Am Südrand des Valli di Comacchio zieht sich eine mit Schilf und Büschen bestandene Landzunge tief in die Lagune. Wie viele der interessanten Bereiche, so darf auch diese Halbinsel nicht frei betreten werden. Der Eintritt ist reguliert und muss arrangiert werden (Administration Society Valli di Comacchio, Via Mazzini, 200- Tel. 0533/81159). Jedoch kann man vom südlich verlaufenden Deich gut in die Fläche einsehen. Hier gibt es eine kleine Seeschwalbenkolonie.

 

So konnten wir hier mehrfach Zwergseeschwalben sehen. Eine Überraschung war die Beobachtung eines Schwarzstirnwürgers. In dem Graben südlich des Deiches konnten wir mindestens vier Zwergdommeln hervorragend beobachten.

Wenn man die Deichstraße am Ostrand der Lagune entlang fährt, erhält man ebenfalls gute Einblicke in interessante Bereiche.

5: Nordwestliches Valli di Comacchio

Bei dem Gebiet handelt es sich um eine ausgeräumte Agrarlandschaft. Einziger Grund dieses Gebiet zu besuchen, ist das Vorkommen von Rotflügel-Brachschwalben. Doch trotz systematischer Suche konnte keine Brachschwalbe von uns entdeckt werden. Die Tiere brüten jedes Jahr an anderer Stelle. Vielleicht sind sie dieses Jahr überhaupt nicht im Gebiet?

Schöne Ansichten von Wiesenweihen und einem Baumfalken haben die erfolglose Suche ein wenig entschädigt.

6: Das eigentliche Po Delta

Man kann mehrere Rundwege innerhalb des Po Deltas fahren. Die in den folgenden Karten rot markierten Wege führen an zahlreichen schilfbestandenen Lagunen, Reisfeldern und Küstenabschnitten vorbei. Je nach Jahreszeit bietet sich ein unterschiedliches Bild. Am lohnendsten ist das Gebiet während des Limikolenzuges. Zwar fanden wir während unseres Besuches zahlreiche Reisfelder überschwemmt vor, aber Limikolen gab es dort kaum zu sehen. Relativ lohnend scheinen die küstennahen Schlickflächen nördlich von Boccasette zu sein. Den besten Überblick erhält man, indem man am Ende der Zufahrtsstraße auf den Deich steigt. Hier konnten wir See- und Sandregenpfeifer sowie Uferschnepfe, Alpen- und Sichelstrandläufer, Grünschenkel und eine Kurzzehenlerche beobachten.

Ebenfalls lohnend war der Einblick in die große südöstliche Bucht des Po Deltas. ~40 Trauerseeschwalben, 10 Zwergmöwen, Haubenlerchen und Zwerg-seeschwalben waren zu sehen. Über den großen Ackerflächen flogen diverse Wiesenweihen. Neben den eingezeichneten Strecken gibt es aber noch einige andere interessante Stellen im Po Delta. Je nach Vogelaufkommen kann man das ganze Delta in einem Tag durchkreuzen oder an nur wenigen Abschnitten den ganzen Tag verweilen.

 -Po Delta Nord-

-Po Delta Süd-


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