Reisebericht Nordostpolen

22. Mai bis 3. Juni 2002


Reisebericht                   Artenliste


Christoph Moning christoph.moning@stud.weihenstephan.de (Autor, Landschaftsbilder)

Elmar Witting (Vogelbilder)

 

Einleitung 

Polen dürfte aufgrund seiner Ursprünglichkeit eines der reizvollsten ornithologischen Reiseziele in Europa sein. Viele der sonst schwer in Mitteleuropa zu sehenden Arten wie Haselhuhn, Schrei- und Schelladler, Zwerg- und Halsbandschnäpper, Doppelschnepfe, Seggenrohrsänger, Kleinralle, Wachtelkönig, Zitronenstelze, Schwarzstorch und viele mehr können hier relativ leicht entdeckt werden. Fast egal wo man aussteigt; man hat immer schnell eine Palette interessanter Arten zusammen. Dies und eine Einladung befreundeter polnischer Ornithologen war Grund genug uns nach Polen aufzumachen.

Strategie

Natürlich war die Reise um bestimmte Zielarten und Kerngebiete aufgebaut. Die Hauptziele waren (wie bei jeder ordentlichen Polentour) die Biebrza Sümpfe und das Waldgebiet um Bialowieza. Doch Polen hat weit mehr zu bieten und so wurden weitere Ziele wie die Danziger Bucht und die Reservoire Plesno und Siemianowka hinzugefügt. Auf diese Weise wurde eine große Bandbreite an Lebensräumen besucht, was mit insgesamt 188 Arten belohnt wurde. Unsere Hauptzielarten waren Schelladler, Haselhuhn, Kleinralle, Doppelschnepfe, Zitronenstelze, Sperbergrasmücke, Seggenrohrsänger und Grünlaubsänger von denen wir nur den Letzteren nicht beobachtet haben.

Logistik

Einreise nach Polen (http://www.auswaertiges-amt.de):

Für deutsche Staatsbürger reicht zur Zeit ein Reisepass oder der Personalausweis.

Verkehrsmittel
Da viele polnische Bürger über kein Auto verfügen funktioniert das öffentliche Verkehrssystem relativ gut. Andererseits sind viele der besuchten Gebiete so abgelegen, dass ein Auto fast unerlässlich ist.

Unterkunft und Essen:

In den meisten Orten hatten wir keine Schwierigkeiten, eine vernünftige Unterkunft zu finden. Camping ist gut möglich, billig und auch sicher. Zudem kann man ein Zelt gut gegen die sechsbeinigen Plagegeister absichern. In fast jedem kleinen Ort gibt es einen Laden, der oft wie ein normales Haus aussieht. Zudem wird man in ländlichen Gegenden vergeblich nach Produkten wie Käse fragen, da die Leute sich diese Dinge einfach selber machen. Die polnischen Wurstprodukte sind bekannt und ihren Ruf wert.

Brzostowo - ein typisches polnisches Dorf

Verständigung:

Viele jüngere Polen sprechen mittlerweile zumindest etwas englisch während ältere Leute eher etwas deutsch sprechen können. In einigen abgelegenen Gegenden sind uns Leute begegnet, die nur polnisch sprechen. Da die polnische Sprache gleich neben chinesisch das Gegensätzlichste zum deutsch ist, kommt man dann nur noch mit Zeichensprache weiter, was aber meistens auch kein größeres Problem war.

Geld:

1. Regel: Nicht direkt an der Grenze tauschen, der Kurs ist dort um 10% überhöht. Polen ist insgesamt nicht spottbillig aber günstig. Lebensmittel und Unterkunft sind deutlich günstiger. Benzin kostet nur etwas weniger als in Deutschland.

Verwendete Unterlagen:

Bücher:

Where to Watch Birds in Eastern Europe von Stackpole Books, Gerard Gorman; Stackpole Books (1. Februar 1997)

Gosney, Dave (1993): Finding Birds in Poland - ISBN: 0951792083

Und zur Einstimmung

Narew und Biebrza. Leben am europäischen Amazonas.
von Norbert Schäffer, Anita Schulze, Karol Zub, Andrzej Dyrcz

Broschiert - 176 Seiten - Naturerbe Verlag
Erscheinungsdatum: Dezember 1996
ISBN: 3931173003

Klosowscy, Grzegorz, Stanislaw und Tomasz (1991): Die Vögel der Biebrza-Sümpfe - Warszawa

Internet:

- http://www.birding.gt.pl/  Jerzy Dyczkowski page - Birding in Poland; hervorragende Seite mit vielen Informationen zu den wichtigsten Beobachtungsgebieten: Ergänzungen zu der Seite im Kapitel "Besuchte Gebiete und Vogelarten".

- http://www.surfbirds.com/Trip%20Reports/poland.html  brauchbarer Reisebericht für Ostpolen von Dave Carroll

Wetter

Überwiegend sonnig und warm. Zwei Regentage in Bialowieza.

Besuchte Gebiete und Vogelarten

Danziger Bucht

Mündung des Flusses Reda (Ujscie Redy) bei Rewa

Man erreicht das Gebiet über Rumia. Wir haben es anfangs von Reda aus versucht. Jedoch gibt es hier nur üble Feldwege, die nicht für normale PKW geeignet sind. Die Zufahrtsstraße nach Rewa verläuft über einen Höhenrücken, von dem aus man rechts (im Osten) bereits schilfbestandene Wiesen sieht. An dem Ort Rewa sind drei Stellen interessant:

- Die Wiesen und die Bucht westlich des Ortes: Dort wo die Zufahrtsstraße auf das Meer trifft und nach rechts abknickt gibt es nach links einen ungeteerten Fahrweg, der zu einem Parkplatz führt. Von hier aus kann man am Strand entlanggehen. In den Büschen singen zahlreiche Karmingimpel und im Schilf rattert der allgegenwärtige Schilfrohrsänger sein Lied. In der Bucht diente das gegenüberliegende Ufer als Rastplatz für zahlreiche Möwen, Enten und Kormorane. In der Bucht gab es u.a. Mittelsäger und Schellente zu sehen.

- Die Sandhalbinsel, die vom Ort aus ins Meer ragt. Auf der Spitze saßen zahlreiche Kormorane und Möwen (zu dieser Jahreszeit fast keine adult). Man darf die Halbinsel entlanggehen. Davon machen auch viele Touristen Gebrauch. Daher lohnt sich diese Stelle nur unter der Woche, am besten früh morgens. Bei stürmischen Wetter kann die Halbinsel überflutet sein.

- Der Strand und die Wiesen zwischen Rewa und Mechelinki. Auch diese Stelle scheint bei badenden Touris und Surfern beliebt zu sein (wir haben mit unseren Spektiven für einige Irritation gesorgt). In den Wiesen haben in den letzten Jahren Zitronenstelzen gebrütet. Wir konnten keine entdecken, dafür hatten wir eine eher durchschnittliche Auswahl mit Schafstelze, Wiesenpieper, Braunkehlchen, Rohrweihe usw. .

Fazit Redamündung: Die Redamündung ist eine der besten Stellen für Seltenheiten in Polen (das haben auch befreundete polnische Vogelbeobachter bestätigt). Wir hatten auf der Rückfahrt aus dem Gebiet das große Glück, eine adulte weibliche Steppenweihe zu beobachten (jährlich rund 0 bis 3 Nachweise in Polen), die von der polnischen Seltenheiten-Kommission im November 2002 anerkannt wurde. Die eigentliche Zeit für Rewa sind aber die Zugperioden. Dann gibt es hier Zwerg- und Singschwan, Gänse, Enten, Watvögel, Raubmöwen, Seeschwalben, Lerchen, Pieper (Rotkehlpieper sehr regelmäßig) und verschiedene Greife zu sehen, von denen wir hier nichts gesehen haben. Auch die örtlichen brütenden Spezialitäten wie Zwergseeschwalbe oder Austernfischer waren nicht zu entdecken.

Hel Halbinsel

Der Hauptgrund Hel zu besuchen ist der starke Vogelzug. Besonders Greifvögel können gut beobachtet werden. Eine Straße führt von West nach Ost über die Insel und ermöglicht den Zugang zu allen wichtigen Beobachtungsstellen. Übernachtet haben wir in einer Privatpension in Jastarnia (12€ pro Person und Nacht; der Preis schien verhandelbar zu sein).

- Der Ort Wladyslawowo liegt an der Basis der Halbinsel. Hier soll v.a. der Hafen interessant sein (Eis- und Polarmöwe gibt es jeden Winter). Man erreicht den Hafen (die Mole) von Westen. Man muss das Auto vor einem Bahndamm abstellen und geht dann zum Strand und von dort nach Osten auf die Mole. Wir hatten viele unausgefärbte Möwen, darunter auch einige Steppenmöwen. Zur Zugzeit soll die Molenspitze ein guter Punkt sein, um ziehende Seevögel (v.a. Enten ) zu beobachten. Die Wiesen südlich des Ortes an der Danziger Bucht sollen gut für Seltenheiten sein. Wir haben nicht viel entdeckt zumal das Gras sehr hoch war.

- Der Ort Chalupy liegt an der engsten Stelle der Halbinsel. Er ist ein hervorragender Punkt zur Greifvogelbeobachtung. Die Bedingungen sind bei leichtem Ostwind und gutem Zugwetter optimal. Wir hatten das Glück so einen Vormittag zu erwischen. Am Ostende des Ortes liegt auf der Südseite, also zur Danziger Bucht, ein Holzpavillon, in dem ein Restaurant untergebracht ist. Davor befindet sich ein Parkplatz auf den ein Fernglas-Zeichen von der Straße aus hinweist. An dem betonierten Ufer befinden sich Bänke, von denen wir unter anderem einige Wespenbussarde und einen vorjährigen männlichen Rotfußfalken sehr nah beobachten konnten. Wir haben es auch am Westende des Ortes probiert. Dort gibt es auf der Südseite der Halbinsel diverse Campingplätze, die wohl ehemals als Wiesen genutzt waren. Wir haben uns an einer Wiese mit Überblick postiert und hatten nochmals Wespenbussarde, einen vorjährigen Baumfalken, zwei adulte Rotfußfalken und Hunderte Schwalben und Mauersegler. Der Fußballplatz im Ort südlich der Hauptstraße könnte ebenfalls Übersicht verschaffen. Einen angeblich existierenden Aussichtsturm haben wir nicht gefunden. Auf der Nordseite, also zur Ostsee, gab es drei Prachttaucher (1 SK, 2 PK) und eine männliche Samtente im Prachtkleid zu sehen.

- Bevor man in den Ort Jastarnia hineinfährt kommt rechts der Hauptstrasse (südlich) eine große offene Fläche, in dessen östlicher Ecke ein Fußballfeld liegt. Es handelt sich um ein altes Flugfeld. Links (nördlich) der Straße liegt eine Ferienanlage, welche die ersten Gebäude von Jastarnia darstellt. In der Einfahrt vor der Ferienanlage kann man parken. Das offene Gelände ist eine der lohnendsten Flächen auf der Halbinsel, um Zugvögel zu beobachten. Man kann die Fläche frei betreten. In den Büschen gab es zahlreiche Braunkehlchen, Neuntöter und Sperbergrasmücken. Auf dem Fußballfeld rasteten rund 200 Schafstelzen unter denen sich rund 20 thunbergii-Schafstelzen befanden. Am Strand gab es kleine Schlickflächen, auf denen unter anderem Kiebitzregenpfeifer, Rotschenkel (brütend), Alpenstrandläufer (schinzii und alpina) und Steinschmätzer zu beobachten waren. Zwei Sumpfohreulen gaben ausführliche Vorstellungen und ein Merlin zog durch. Wenn man von der offenen Fläche nach Osten geht, wird man weite Schilfflächen hinter dem Strand finden. Hier gab es die übliche Rohrsängerkollektion zu hören.

- Der Ort Hel an der Spitze der Halbinsel soll ein guter Punkt zur Seevogelbeobachtung sein. Im Hafen überwintert jedes Jahr die Eismöwe. Die Spitze selbst ist jedoch militärisches Sperrgebiet. Der Leuchtturm und der Ostseestrand sind touristisch erschlossen. Von hier aus kann man ebenfalls das Meer absuchen. Wir hatten hier eine Eiderente (1,0 PK), zwei Habichte und fünf Sperber, die hier an der Spitze der Halbinsel im Wellenflug auf das offene Meer gezogen sind. In den Kieferndünenwäldern sang die Heidelerche.

- Die Wälder der Halbinsel sind sehr strukturreich. Jedes Jahr singen hier ab der letzten Maiwoche oder ab  Anfang Juni ein oder zwei Grünlaubsänger. Man muss aber schon viel Glück haben, um zufällig auf ein singendes Tier zu stoßen. Häufige Arten sind Kolkrabe, Gartenrotschwanz, Fichtenkreuzschnabel oder Kernbeißer. 

Fazit Hel-Halbinsel: Wenn man so wie wir Ende Mai auf die Hel-Halbinsel fährt, ist der Greifvogelzug der interessanteste Aspekt. Spät ziehende Arten wie Wespenbussard oder Rotfußfalke bestimmen dann das Bild. Die Individuenzahlen sind jedoch wesentlich geringer als beispielsweise Ende April. Dies gilt noch stärker für den Kleinvogelzug.

Feldlerche

Das Westufer des Vistula Hauptkanals östlich von Danzig

Man erreicht das Gebiet von dem Örtchen Swibno aus. Am Nordostrand des Ortes beginnt hinter einer Schranke ein mückenreicher Plattenweg durch Kiefernwald an einem Bereich mit Parkmöglichkeiten (u.a. Klein- und Schwarzspecht) in Richtung Strand. Am Strand kann man dann Richtung Flussmündung laufen. Dort hielten sich auf den Inseln einige Flussseeschwalben, Möwen und Kormorane auf. Die beste Art war ein überfliegender Seeadler. Die Dünenbereiche waren gut für Sperbergrasmücke, Heidelerche und Sandregenpfeifer.

Fazit Vistula: Diese Stelle wurde als eine der Hauptattraktionen der Danziger Bucht gepriesen. Jedoch haben wir erst im nachhinein erfahren, warum wir so wenig gesehen haben: Viele der interessanten Inseln an der Mündung wurden in den letzten Jahren durch Treibeis und Sturmfluten zerstört. Die Stelle hat nach Angaben befreundeter polnischer Beobachter an Bedeutung verloren. Dennoch soll es ein guter Platz für Seltenheiten sein.

Weitere Stellen zur Danziger Bucht können Jerzy Dyczkowskis Internetseite entnommen werden.

Plesno Reservoir

Dieses Reservoir hat Sumpfwiesencharakter. Es handelt sich um eine weite, flache, geflutete Senke nahe des Örtchens Satopy Samulewo bei Reszel nordöstlich von Olsztyn. Leider kann ich keine Anfahrtsbeschreibung geben. Wer dieses lohnende Gebiet besuchen möchte richte sich bitte in einer Mail auf englisch an Krystof Jankowski :Tryngites@2com.pl. Er kennt sich hervorragend im Gebiet aus und ist als armer Student immer an kleinen Nebenjobs interessiert.

Für den Bruchwasserläufer ist das Plesno Reservoir als Rastplatz von internationaler Bedeutung 

Auf dem See waren unter anderem zahlreiche Rothals- (Brutvogel) und Schwarzhalstaucher, Pfeifenten (Brutvogel) und Knäkenten zu beobachten. Trauerseeschwalben waren häufig. Unter ihnen konnten wir rund 30 Weißbartseeschwalben (auf Seerosenblättern brütend) und eine Weißflügelseeschwalbe sehr nahe beobachten. Über dem See zeigten sich Schwarzstorch, Seeadler und Schreiadler in einer einzigen Thermik. Im Schilf sangen Rohrschwirl, Drossel-, Teich- und Schilfrohrsänger. 

Plesno Reservoir

Biebrza Sümpfe

Die Biebrza Sümpfe sind eine der ursprünglichsten Flusslandschaften Europas. Oft steht man mitten in der "Wildnis" ohne ein Haus zu erblicken. Eigentlich ist der menschliche Einfluss ein prägendes Element in dieser Landschaft, das jedoch mit der Gründung des Nationalparks verdrängt wurde. Mit der nun zunehmenden Verbuschung der Sümpfe hat man ein Problem geschaffen, dem man jetzt durch Beweidungsverträge entgegenzuwirken versucht. Dennoch kann man in den Biebrza Sümpfen nach wie vor viele in Europa sonst schwierig zu sehende Arten wie Doppelschnepfe, Seggenrohrsänger oder Schreiadler relativ leicht sehen.

Für den Nationalpark sollte man eine Eintrittskarte in der Informationsstation des Nationalparks in Osowiec Twierdza direkt am Fort I "Centralny" kaufen. Zwar wurden wir nie nach den Karten gefragt und der Nationalparkangestellte hätte auch nie gefragt, ob wir Karten kaufen wollen, wenn wir uns nicht danach erkundigt hätten, aber es versteht sich von selbst, dass der Naturschutz vor Ort unterstützt werden muss, wenn er effektiv arbeiten soll. In der Station bekommt man auch gutes Kartenmaterial und kann einen Guide engagieren. Für das Gebiet Czerwone Bagno muss man an dem Forsthaus Grzedy am Parkplatz extra Karten kaufen.

Wir haben auf dem guten Campingplatz bei Osowiec Twierdza nahe der Straße 65 östlich der Brücke über die Biebrza gecampt (Lage: toll, WC/Bad: sehr mau). Man gelangt über einen Parkplatz mit Restaurant (mäßige Qualität) an den Platz, der vom Nationalpark verwaltet wird. Das Tor muss man selbst öffnen. Im Laufe der Zeit kommt dann der Platzwart vorbei und kassiert die fälligen 3,5 € pro Person und Nacht. Nachts viele Sprosser und einige Wachtelkönige.

Wir befanden fünf Beobachtungstage als ausreichend, um in den wichtigsten Gebieten zu beobachten.

Die besuchten Beobachtungsstellen waren von Süd nach Nord:

Grady-Woniecko: In diesem riesigen Wiesenkomplex halten sich ab Juni große Mengen von Greifvögeln, beiden Störchen und Kranichen auf den gemähten Wiesen auf. Das Gebiet liegt zwischen der Straße 64 im Norden und der Narew im Westen. In dem Gebiet kann man von den rasterförmig durch die Fläche gelegten Feldwegen aus beobachten. Wir haben jedoch ziemlich schnell erkannt, dass man ein Auto mit viel Bodenfreiheit haben muss, um die staubigen Wege zu befahren. Zudem waren wir wohl noch etwas zu früh, denn neben zahlreichen Weißstörchen, drei männlichen Wiesenweihen und rufenden Wachteln haben wir nicht viel erwähnenswertes gesehen.

- Bagno Wizna ist ein Feuchtwiesengebiet auf dem Ostufer der Narew etwas südlich von Wizna. Es ist eines der bedeutendsten Wiesenbrütergebiete an der Biebrza. Rotschenkel, Uferschnepfe und Bekassine sind häufig. Die dort brütenden Kampfläufer gibt es nicht mehr. Nach Angaben mehrerer polnischer Ornithologen, die wir im Gebiet getroffen haben, gibt es überhaupt nur noch zwei Balzplätze in der Biebrza! Weißflügel-, Weißbart- und Trauerseeschwalben jagten über dem Gebiet, während ein Raubwürger auf der Leitung über den Sanddünen auf Beute ansaß. Man erreicht das Gebiet über die Zufahrtsstraße zwischen Mezenin und der Straße 64 östlich von Wizna. Nach einigen Kilometern führt dort, wo die Straße einen Knick nach Osten macht, eine Seitenstraße westlich in dem Wald. Sie führt direkt bis an die Narew. Die interessanten Flächen liegen dann nördlich.

typische Szenerie an der Biebrza

- Am Südwestrand der Biebrzaniederung führt die Verbindungsstrasse zwischen Wizna und Radzilow direkt am Biebrza-Fluss entlang. Egal wo man hält wird man hier Sumpfseeschwalben entdecken können. Man hat von vielen Orten entlang der Strecke gute Aussichten auf die Niederung. Besonders gute Aussichtspunkte sind bei Burzyn (das Aussichtshäuschen ist von der Straße aus zu sehen und über einen Feldweg südlich von Burzyn aus zu erreichen) und bei Brzostowo. Für den letztgenannten Turm braucht man einen Schlüssel, den man gegen ein kleines Eintrittsgeld bei dem letzten Hof vor dem Turm erhält. Hier konnten wir unter anderem sechs Schwarzstörche und vier Zwergseeschwalben beobachten.

Ausblick vom Aussichtspunkt bei Burzyn

- Am Südwestrand der Biebrza führt die Verbindungsstraße zwischen Laskowiec und Goniadz durch das Gebiet. 9,3 km nördlich von Laskowiec befindet sich auf der westlichen Straßenseite ein großer Aussichtsturm. Dies ist ein einfacher Punkt, um Seggenrohrsänger zu sehen. Dieser Rohrsänger singt besonders Abends sehr intensiv (eine Stunde vor Sonnenuntergang bis weit in die Dämmerung). Jedoch hat es sehr lange gedauert bis wir von dem hohen Turm aus ein singendes Männchen entdecken konnten. Insgesamt haben drei Rohrsänger an dieser Stelle gesungen. Die Tiere singen fast immer halboffen von hohen Halmen herab. Dennoch sind sie leichter zu hören, als zu sehen. Weiterhin gab es vom Turm aus 3,2 Wiesenweihen und 2,0 Kornweihen zu sehen. Wer in der Abenddämmerung mit dem Spektiv die Ebene absucht, wird  sicherlich Elche entdecken können. Wir hatten hier acht.

- Die eigentliche Seggenrohrsängerstelle ist ein gesperrter Feldweg (Grobla Honczarowska), der 2,0 km  weiter nördlich nach Westen in die Seggensümpfe führt. Nördlich des Aussichtsturmes kommen zwei kleine Brücken mit Metallgeländer. Kurz vor der zweiten Brücke (von Süden kommend) führt der Feldweg nach Westen. Ein kleiner Parkplatz und ein Schild "Grobla Honczarowska" markieren die Stelle. Von hier aus sind es 3,3 km einfach bis in die offenen Seggensümpfe. Es gibt einen Beobachtungsturm, von dem aus man die beeindruckenden Ausmaße der Seggenwiesen betrachten kann (wieder einige Elche). Leider war es zu windig als wir dort waren, so dass wir kaum Seggenrohrsänger hatten. Generell ist dieser Rohrsänger nicht mehr auf diese Stelle beschränkt und kann an vielen Orten überall im Park beobachtet werden.

- Der Wanderweg zwischen Gugny und Barwik westlich der Verbindungsstraße zwischen Laskowiec und Goniadz soll sehr lohnend sein (14,1 km komplett und 9,9 km zwischen Gugny und Barwik). Tüpfel- und Kleinralle, Wachtelkönig und Elche können hier entdeckt werden. Von dem Beobachtungsturm bei Gugny haben wir unter anderem 26 Schwarzstörche neben zahlreichen Weißstörchen in nur zwei Thermiken kreisend beobachtet. Der Turm auf den Dünen westlich Barwik (Grady) ermöglicht einen großflächigen Überblick über das Gelände. Zwischen Barwik und Grady sangen zwei Blaukehlchen in den Weidengebüschen.

- Westlich von dem Forsthaus Barwik befindet sich der berühmte Doppelschnepfenbalzplatz. Die Einfahrt (sandiger Feldweg) liegt direkt nördlich von dem Örtchen Dobarz. Nach kurzer Zeit erreicht man einen Parkplatz am Forsthaus Barwik (die Stelle wird zeitweise kleinbusladungsweise von Naturinteressierten besucht). Von hier aus geht man rund 15 Minuten den Feldweg weiter bis man auf der rechten Seite eine kleine Plattform erreicht, von der aus man nach Norden direkt auf den Doppelschnepfenbalzplatz blicken kann. Die Vögel beginnen rund eine Stunde vor Sonnenuntergang und steigern sich in ihren einmaligen Balzgesang bis sie sich in der Abenddämmerung fliegend über den Balzplatz jagen. Wir waren zwei mal dort. Am ersten Abend hatten wir sechs Männchen balzend und am zweiten Abend keines! Wenn man keinen Erfolg hatte, heißt es also nicht, dass sie dieses Jahr nicht dort sind. Am Balzplatz war außerdem eine Rohrdommel und einige Rotdrosseln zu hören. Auf dem Rückweg durch den Wald hatten wir an beiden Abenden eine balzende Waldschnepfe (von anderen Gruppen auch in den Vorjahren gesehen). Auf jeden Fall Mückenmittel nicht vergessen! Gummistiefel helfen die Knöchel zu schützen.

Am Doppelschnepfenbalzplatz: Spektiv, Svensson et. al und ganz wichtig: Mückenmittel

- Der auf den Binnendünen stockende Wald entlang der Verbindungsstraße zwischen Laskowiec und Goniadz ist reichlich mit Ziegenmelkern bestückt, die man Abends nachdem man bei den Doppelschnepfen war überall hören kann. Auch der Uhu soll früher im Jahr gut zu hören sein. Tagsüber kann man hier Tannenhäher, Schwarz-, Grau- und Kleinspecht beobachten.

- Am Westrand der Biebrza noch südlich der Straße 65 liegt der Ort Mscichy an der Verbindungsstraße zwischen Radzilow und der Straße 65. Von dem Ort führt ein befahrbarer Feldweg zu einem Aussichtsturm (Bialy Grad). Dieser Bereich gehört unserer Meinung nach zu den schönsten Plätzen der Biebrza. Man kann an dem Aussichtsturm auch campen. Besonders die späten Abend- und die frühen Morgenstunden vermitteln eine tolle Stimmung mit balzenden Uferschnepfen, Rotschenkeln und Bekassinen um den Turm. Abends waren Rohrdommel und Tüpfelralle (hat nach Informationen heimischer Ornithologen stark abgenommen) zu hören. Weiterhin hatten wir von dem Turm aus eine Zwergdommel, über 100 Weißstörche, Schwarzstörche, einen Seeadler sowie Beutel- und Bartmeisen. Die Stelle wird an Feiertagen und am Wochenende von zahlreichen Familien bevölkert.

Mindestens genau so gut wie der Turm sind die Wiesen am Zufahrtsweg zischen Turm und Mscichy. Kurz bevor der Weg einen Bogen um ein Wäldchen macht (Blaukehlchen sang darin) kommen links sehr feuchte Wiesen. Hier und etwas weiter hatten wir ein Männchen und zwei Paare der Zitronenstelze, die diese Jahr dort gebrütet haben. Die Tiere sind auf dem Fahrweg zu sehen gewesen. Auch das Absuchen von hohen Stauden und Büschen in den Wiesen könnte Erfolg bringen. Gerne halten sie sich auch in den Gräben auf. Dort wo der Bogen des Weges um das Wäldchen seinen Scheitelpunkt erreicht, liegen auf der linken Seite (Nordseite) schöne Seggenwiesen, auf denen mindestens sechs Seggenrohrsänger ihr Liedchen zum Besten gaben. Die Tiere waren sehr nahe zu sehen. Direkt vor unseren Füßen sangen auch Schilfrohrsänger im wegbegleitenden Graben. Weiterhin gab es hier einige Wiesenweihen zu sehen.

Uferschnepfe in den Wiesen bei Mscichy

- Rund um das Fort II "Zarzecny" nahe der Brücke der Straße 65 über die Biebrza liegen drei Beobachtungstürme, die einen guten Überblick über die verschilfte Niederung geben. Wir haben hier verschiedene Sumpfseeschwalben, eine Zwergdommel, Beutel- und Bartmeisen sowie einen sehr nahen Elch beobachtet.

- Wolka ist innerhalb der Biebrza-Niederung wohl der beste Ort um ein Tier der 14 bis 17 Brutpaare des Schelladlers zu Gesicht zu bekommen. Der Ort liegt an der Verbindungsstraße zwischen Goniadz und Osowiec östlich der Straße 65. Nördlich von Goniadz befindet sich östlich der Straße ein Turm, der einen weiten Blick über die Wiesen erlaubt. Dies soll auch ein guter Platz sein, um überfliegende Schelladler zu beobachten. Die eigentliche Stelle befindet sich aber nördlich von Wolka. Ein sandiger Feldweg führt hier nach Norden. Rund 900 Meter nördlich von Wolka geht nach links ein weiter Feldweg ab. Wir haben unser Auto hier geparkt und sind dann den Feldweg nach Westen gelaufen. Das letzte Gehöft heißt laut Nationalparkkarte Budziski. Hinter diesem Gehöft liegt rechts des Feldweges eine kleine Baumgruppe, vor der wir uns nach Westen auf die weiten Wiesen blickend postiert haben. Von hier aus gab es zunächst einige Wiesen- und eine vorjährige Kornweihe sowie einen Baumfalken und zwei Paare balzender Schreiadler zu sehen. Gegen 11:00 Uhr überflog uns dann recht nah ein Schelladlerpaar, das nach einigen Balzschleifen wieder verschwand. Nach Angaben polnischer Beobachter kann man hier auch einen ganzen Tag ohne Erfolg verbringen. An einem anderen Tag hatten wir denn auch nur einen zweifelhaften Fall innerhalb eines Vormittags. Die Adler brüten in dem riesigen Waldkomplex nördlich der Wiesen und überfliegen diese wenn sie zur Nahrungssuche den Wald verlassen. Bevor man sich auf Adlersuche macht, sollte man sich intensiv mit der Bestimmung von braunen Adlern auseinandersetzen, da vor Ort alles sehr schnell geht. Die Kiefernwälder nördlich von Wolka beherbergen übrigens einige Wendehälse: Als wir versucht haben einen zu locken kamen drei!

Wiesen bei Wolka

- Czerwone Bagno ist die wildeste Ecke der Biebrzawildnis. Man muss sich das Gebiet erwandern, wobei wir den längsten (22 km), rot markierten Weg gegangen sind. Der Weg ist teilweise schlammig. Alle Wanderwege starten an dem Forsthaus Grzedy, an dem auch ein Parkplatz liegt. Nach Entrichtung einer kleinen Gebühr im Forsthaus kann es losgehen. Der Wald ist extrem mückenreich und im Nachhinein hätten wir vielleicht fragen sollen, ob wir bis zu der ganz gesperrten Stelle im Süden des Rundweges fahren dürfen (fünf Autos pro Tag erlaubt). Auch das Mitnehmen eines Spektivs sollte man sich überlegen, was aber nicht heißt, dass es sich gar nicht lohnt eines mitzunehmen. Insgesamt war es nicht nur landschaftlich lohnend. Höhepunkte waren ein Schwarzstorch mit Nistmaterial, ein sehr naher Schreiadler, Waldwasserläufer (im Gebiet brütend), einige Wiedehopfe (auf den Dünen im Süden nicht selten), zwei Grau- und ein Weißrückenspecht, ein Wendehals, zwei Schlagschwirle, ein Raubwürger und der allgegenwärtige Zwergschnäpper, der hier neben dem Waldlaubsänger zu den ganz häufigen Arten des Waldes gehört. Auch Säuger sind gut vertreten. So konnten wir unter anderem eindeutige Wolfsspuren (zwei bis drei Rudel im Gebiet) und einen Elch entdecken.

Erlenbruchwälder sind typisch für Czerwone Bagno und bieten Lebensraum für Kranich und Weißrückenspecht

Wolfsfährte

Siemianowka Reservoir

Das Siemianowka Reservoir liegt direkt nördlich des Bialowieza Waldgebietes. Man erreicht es über die Straße 686 östlich von Juszkowy Grod. An dem Ort Szymki fährt man nach Süden durch den Ort Cisowka bis man den Damm sieht (weiße Pumpstation). Von dem Damm aus blickt man über den flachen See mit seinen Feuchtwiesen, die sich vom Rand bis weit in den See hinein erstrecken. Von hier aus wird man bereits Rohrdommeln rufen hören. Ansonsten hatten wir hier über zehn Silberreiher, Rotschenkel, Uferschnepfen, Trauerseeschwalben, einige Weißbartseeschwalben und über 100 Weißflügelseeschwalben. An der Pumpstation kann man auf den Deich fahren. Richtung Westen liegt eine weitere Station. Die Feuchtwiesen zwischen den beiden Pumpstationen in Richtung See sollen Zitronenstelzen beherbergen. Wir hatten jedoch kein Glück bei der Suche. Der Deich und einige Wege in den Wiesen können befahren werden. An einigen Teichen nördlich des Deiches hatten wir wenige Flussseeschwalben und eine Rohrdommel. Das Reservoir wird von einem Bahndamm durchquert. Neben dem Damm verläuft ein Fahrweg, so dass man mit dem Auto "mitten in den See" fahren kann. Der Bahndamm bietet gute Ausblicke zu allen Seiten. Die Feuchtwiesen östlich des Bahndammes sollen ebenfalls Zitronenstelzen beherbergen. Auch hier hatten wir kein Glück obwohl uns versichert wurde, dass noch eine Woche zuvor Zitronenstelzen gesichtet wurden. Das Fehlen der Zitronenstelze wurde durch andere Beobachtungen mehr als kompensiert: fünf Schwarzstörche in einer Thermik, eine Tüpfelralle, Wachtelkönig überall, brütende Steppenmöwen, sechs Zwergseeschwalben, alle drei Sumpfseeschwalbenarten sehr nahe, ein Wiedehopf, drei Raubwürger und zwei Seeadler von denen einer auf einem Stumpf direkt neben einer liegenden Kuh saß und diese bei weitem überragte! 

Flutrasen am Siemianowka Reservoir; Lebensraum von drei Sumpfseeschwalbenarten

Ein weiterer lohnender Punkt sind die Feuchtwiesen bei Siemieniakowszcyzna im Südosten des Gebietes. Nördlich des Ortes befindet sich ein Beobachtungsturm. Wenn man den Deich am Turm etwas weiter nach Osten bis kurz hinter einer Pumpstation an einer kleinen Brücke läuft (vielleicht 200-300 Meter vom Turm entfernt) steht man vor einem Kanal mit Feuchtwiesen, in denen wir zwei Paare der Zitronenstelze beobachten konnten. Hier gab es ebenfalls Schwarzstörche und Seeadler zu sehen. Im ganzen Gebiet kann man in den Büschen und Hecken Neuntöter, Braunkehlchen, Dorn- und Sperbergrasmücke sowie Karmingimpel beobachten. Das Gebiet wird auch durch die hervorragende PTOP-Karte "Puszcza Bialowieska" abgedeckt (siehe Abschnitt "Bialowieza").

adultes Zitronenstelzenmännchen

Etwas weiter nördlich des Reservoirs kann man versuchen Blauracken abzuholen. Der Ort, in dem die Racken zu finden sind heißt Jalowka. Sie halten sich meistens in der Nähe der kleinen Fischteiche im Zentrum des Ortes auf. Leider hatte nur Elmar eine Racke für eine Sekunde im Visier. Dafür gab es auf dem Weg zum Ort eine schöne Ortolanbeobachtung.

Bialowieza

Das Bialowieza Waldgebiet erstreckt sich auf 620 Km² auf polnischer und weißrussischer Seite. Es besteht aus Urwald, forstlich genutzten Beständen und offenen Flussauen. Der Nationalpark schützt lediglich 18% des Waldes auf polnischer Seite. Er darf nur mit Führer betreten werden. Unseres Erachtens nach ist es aber absolut nicht notwendig, den Nationalpark zu besuchen, denn alle relevanten Arten sind auch außerhalb des Reservates häufig. In der Tat ist der Wald in einem so naturnahen Zustand, dass man meinen könnte, man hat zuvor noch nie richtigen Wald in Mitteleuropa gesehen. Einhergehend sind auch viele der häufig gesuchten Arten weit verbreitet und es gibt nur wenige Punkte, die man speziell für bestimmte Arten anfahren muss. Im ganzen Gebiet kann man auf den Waldwegen wandern und Fahrrad fahren. Auf vielen Wegen darf man auch mit dem Auto fahren (in den Karten markiert). Es ist eine gute Idee sich zunächst in Informationsstationen in Bialowieza mit Kartenmaterial zu versorgen. Im Stadtpark von Bialowieza gibt es am Südosteingang eine Informationshütte, wo man beispielsweise die hervorragende PTOP-Karte "Puszcza Bialowieska" kaufen kann. Übernachtet haben wir in einer Privatpension in Bialowieza (rund 9 € pro Person und Nacht). Es gibt aber reichlich Unterkunftsmöglichkeiten im Ort. Die Jugendherberge sah auch ganz vernünftig aus, war jedoch schon voll als wir angefragt haben. Daher dort eventuell vorbuchen. Egal wo man sich aufhält, wird man mit Mücken oder Fliegen zu kämpfen haben.

Die besuchten Stellen waren:

- In dem Ort Bialowieza gibt es zwei Parks. Ein kleiner liegt im Nordosten des Ortes und ein großer im Westen. In diesen Parks  (besonders in dem kleinen) hat man ab Anfang Juni gute Chancen, Grünlaubsänger zu finden. Wir hatten jedoch kein Glück. Im großen Park konnten wir die allgegenwärtigen Sprosser, Pirole, einen Mittelspecht, singende Rotdrosseln und Drosselrohrsänger (an den großen Teichen im Süden) beobachten. Im Ort waren Wendehals und Heidelerche zu hören.

- Westlich des Ortes Bialowieza beginnt der kurze Holzweg Zebra Zubra. Er führt durch gut strukturierten Erlenbruchwald. Hier konnten wir einen Weißrückenspecht und einen Haselhahn beobachten, der relativ ungestört den Weg kreuzte.

- Im südöstlichen Eck der Kreuzung zwischen der Verbindungsstraße zwischen Bialowieza und Hajnowka und der Straße, die in der PTOP-Karte als "Zwierzymiecka Droga" bezeichnet ist liegt ein sehr altes Waldstück (in der Karte ein Dreizehenspecht eingezeichnet), dass man auf Forstwegen umrunden kann. Hier hatten wir eine Haselhenne mit acht Küken, die wenig scheu in einem Haselstrauch rund zwei Meter entfernt herumkletterten.

- Eine schöne Tour durch den Wald südlich der Verbindungsstraße zwischen Bialowieza und Hajnowka bilden die Wege Sinicka Droga und Zwierzymiecka Droga, die sich bei Przewloka treffen. Hier hatten wir eine Waldschnepfe, Schwarzspechte, Tannenhäher und Kolkraben. Bei Przewloka kamen noch ein Grünspecht, ein Schreiadler und eine Heidelerche hinzu. Den Schreiadler habe ich nahe einer Lichtung, die südlich eines Weges liegt, der von Przewloka nach Osten führt, gesehen (den ersten Stichweg nach Süden, der von diesem Weg abgeht). Die Stelle soll auch für Dreizehenspecht gut sein.

- Das gesamte Gebiet ist von rasterartig gelegten Wegen durchzogen. Sie bilden Quadrate, die Nummern haben. Das Reservat Suche liegt im Quadrat 494 südlich der Verbindungsstraße zwischen Bialowieza und Hajnowka. Es ist die bekannteste Stelle für Sperlings- und Rauhfußkauz. Generell sind die Eulen und einige Spechte prädestinierte Objekte für die "Anmietung" eines Führers (sie kennen die Nesthöhlen usw.). Führer können in Bialowieza organisiert werden.

- Die Quadrate 582/583 an der Grenze zu Weißrussland sollen besonders gut für Weißrückenspecht und Haselhuhn geeignet sein (Tipp von Jerzy Dyczkowskis Internetseite). Wir haben sie nicht besucht, da wir die Arten schon vorher gesehen haben.

- Die Brücke des Weges Olemburska Droga über den Fluss Lesna, soll ein guter Punkt für Greife (auch Schlangenadler) und Störche sein. Wir hatten hier Kranich, Rohrweihe, Schlagschwirl, Sprosser, Karmingimpel und Turteltaube.

- Die weißrussische Seite ist noch artenreicher und ursprünglicher als die polnische Seite. Dies beinhaltet auch einige Arten wie Auerhuhn und Bartkauz, die man auf polnischer Seite nur schwer entdecken kann. Jedoch ist der Zugang teuer und schwierig (auch für polnische Besucher). Man benötigt ein Visum und verschieden Erlaubnisse die sehr bürokratisch und nur restriktiv vergeben werden. Zudem wird das Gebiet streng kontrolliert. Gutes Kartenmaterial ist in Bialowieza erhältlich. Eventuell ist es ratsam sich einen Führer zu nehmen, um bestimmte Arten zu finden.

- Häufig gesuchte Arten, die weit verbreitet sind und einem mit einiger Wahrscheinlichkeit überall im Gebiet über den Weg laufen oder fliegen (Bestandszahlen von Jerzy Dyczkowskis Internetseite): Schwarzstorch (38 Paare); Wespenbussard (80-85 Paare); Schreiadler (66-68 Paare); Haselhuhn (1600-2000 Paare); Kranich (30-35 Paare); Wachtelkönig (100 Männchen); Waldschnepfe (500-550 Paare); Ziegenmelker (270-290 Paare); Wendehals (200-220 Paare); Mittelspecht (1100-1200 Paare); Weißrückenspecht (200-220 Paare); Dreizehenspecht (150-180 Paare); Zwergschnäpper (1300-1400 Paare); Halsbandschnäpper (5000-5500 Paare); Schlagschwirl (650-750 Paare); Sprosser, Karmingimpel, Sperbergrasmücke und Ortolan. Die Kleiber gehören zum Teil der Unterart europaea an.

Fazit Bialowieza: Ende Mai ist sicherlich eine gute Jahreszeit, um das Gebiet zu besuchen; jedoch ist es dann für Spechte und Eulen schwieriger. Die meisten Arten sind häufig und können zu Fuß oder mit dem Fahrrad (diese können in Bialowieza gemietet werden) überall im Gebiet entdeckt werden. Das Auto hat jedoch den Vorteil, dass man sich größtenteils von den allgegenwärtigen Insekten zurückziehen kann. Wir haben Situationen erlebt, bei denen man beim besten Willen nicht mehr beobachten oder irgend etwas hören kann (100 Mücken an jedem Bein und das ist wirklich keine Übertreibung). Auch die Rücken einiger vorüberfahrender Radfahrer waren über und über mit Fliegen bedeckt. Dennoch bietet das Bialowieza Gebiet das ultimative Walderlebnis mit tollen Arten egal wo man hält.

Regnerische Tage und der frühe oder späte Abend sind am besten zur Beobachtung geeignet. Wir haben immer wieder auch interessante Säuger wie Rot- und Schwarzwild oder einen Baummarder entdeckt (Luchs, Wolf, Wiesent und andere sind potenziell möglich). 


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