Die Wagbachniederung bei Waghäusel 

  

Christoph Moning

 

Das NSG Wagbachniederung liegt zwischen Mannheim und Karlsruhe am rechten Rheinufer in der Wagbachniederung, die sich westlich bis zum Rhein hinzieht. Das NSG ist ein wichtiger Rastplatz für Limikolen und andere Zugvögel. 96 Vogelarten brüten hier und rund 250 Arten wurden schon festgestellt. Das Waghäusel, wie das Gebiet unter Ornis genannt wird, beherbergt mit solchen Arten wie Purpurreiher, Zwergdommel und Blaukehlchen einige Spezialitäten, die sonst in Deutschland nur schwer zu sehen sind.

 

Voraussetzungen:

Ausrüstung: Fernglas und Spektiv

Zugänglichkeit der Beobachtungsstellen: leichte Wanderung

 

Interessante Arten:

Der Schwarzhalstaucher brütet mit rund 15 Paaren. Die Wagbachniederung ist in Deutschland einer der besten Plätze, um Purpurreiher zu beobachten. Hier brüten bis 10 Paare. Die Reiher können zwischen Ende April und Ende September v.a. im Bereich der großen Schilfflächen beobachtet werden (gerne an den Becken 5/5a). Auch Silberreiher werden regelmäßig, v.a. im Spätsommer bis Spätherbst beobachtet. Zwergdommeln brüten in wenigen Paaren. Daneben werden (fast) jedes Jahr Seiden- und Nachtreiher gesehen. Die Nachtreiher v.a. im Juli aber auch im Juni oder August. Eine kleine Kormorankolonie existiert am Becken Nr. 5. Schwarzkopfmöwen ziehen zwischen März und Mai und Zwergmöwen auch im August/September durch. Trauerseeschwalben ziehen v.a. im Mai und August durch. Unter ihnen befinden sich alljährlich einzelne Weißbart- oder noch seltener Weißflügelseeschwalben. Unter den Entenvögeln können Schnatter-, Löffel, Krick-, Tafel-, Pfeif-, Spieß-, Knäk- und Schellenten sowie gelegentlich Brandgänse beobachtet werden. Die Wasserralle brütet mit 20- 30 Paaren im Gebiet, während die Tüpfelralle zur Zugzeit v.a. im Spätsommer/ Frühherbst entlang der Schilfränder beobachtet werden kann. 

Die Rheinebene hat eine Leitfunktion für den Vogelzug und so können regelmäßig durchziehende Baumfalken (brütet auch im Gebiet), Fischadler, Rot- und Schwarzmilane, Wespenbussarde, Weiß- und SchwarzstörcheWendehälse, Kuckucke, Turteltauben (Brutvogel in einigen Paaren), Wiedehopfe (selten), Steinschmätzer, Rohrschwirle und Braunkehlchen beobachtet werden. Selten tauchen im Mai auch Rotfußfalken auf. Die Rohrweihe gehört ebenfalls zu den regelmäßigen Durchzüglern, brütet aber auch mit 1 bis 8 Paaren im Gebiet. Der Wanderfalke ist regelmäßiger Nahrungsgast. 1 bis 2 Paare Eisvögel brüten im Gebiet. Hohltauben sind regelmäßige Gäste. Das Blaukehlchen hat einen schwankenden Bestand zwischen 2 und 85 Paaren im Gebiet. Damit gehört die Wagbachniederung zu den wichtigsten Flächen für diese Art in Baden-Württemberg. Drosselrohrsänger brüten mit über 10 Paaren. Während die Nachtigall ein häufiger Brutvogel ist, brütet das Schwarzkehlchen in nur wenigen Paaren. Auch die Beutelmeise ist Brutvogel. ebenso die Bartmeise, die mit 15 bis 30 Paaren im Gebiet brütet. Im Winter steigt der Bartmeisenbestand an, so dass im Oktober/ November bis über 150 Vögel im Schilf beobachtet werden können. Bleiben noch Schleiereule und Mittelmeermöwe als Brutvögel zu erwähnen. 

Ab Juli bieten Schlickflächen abgelassener Becken zahlreichen Limikolen Rastmöglichkeiten. Zu ihnen zählen Kampfläufer, Alpen- und Zwergstrandläufer, Sichelstrandläufer, Sanderling, Grünschenkel, Rotschenkel, Steinwälzer (selten), Knutt (selten), Bekassine, Dunkler Wasserläufer, Sandregenpfeifer, Uferschnepfe (selten), TemminckstrandläuferBrachvögel und Pfuhlschnepfe ( selten). Im Oktober können bis zu zwei Millionen Stare bei ihrem Einflug in das Schilf beobachtet werden. 

Im Winter tauchen wenige Merline und Kornweihen auf. Zu dieser Jahreszeit wird der Erlichsee interessanter. Mit Glück können dort Ohrentaucher, MittelsägerZwergsäger und Samtenten beobachtet werden. Für Gänsesäger braucht man weniger Glück. Auch der Rothalstaucher kann hier zwischen August und Mai beobachtet werden. Seltene Wintergäste in der Wagbachniederung sind Saat- und Blässgänse und der Raubwürger. Ebenfalls im Winterhalbjahr können in den Schilfflächen Rohrdommeln (v.a. in der späten Abenddämmerung) auf dem Ab- bzw. Durchzug beobachtet werden. Maximal 7 Dommeln wurden dabei im Flug bei ihrem Abzug gesehen (Lang 2000). Mahler gibt in einer Mail für das Frühjahr 2000 mindestens 15 durchgezogene Rohrdommeln an. Immer wieder wurden auch Seltenheiten wie Rallenreiher, Schlangenadler oder Rotflügel-Brachschwalbe in der Wagbachniederung erspäht.


Lebensräume:

Ein Teil des Schutzgebietes wurde bis 1996 von der Zuckerfabrik Waghäusel als Deponie für die beim Produktionsprozess anfallenden Rübenschlämme genutzt. Die abgelassenen Becken zogen schon bald zahlreiche durchziehende Limikolen an. Die Wagbachniederung verdankt ihr reichhaltiges Artenspektrum nicht nur den periodisch freiliegenden Schlammflächen, sondern einem ausgedehnten Mosaik aus Schilfflächen, Flachwasserzonen, abgeschiedenen Uferbereichen und landwirtschaftlich extensivierten Flächen.


Anfahrt:

 

Beobachtungsmöglichkeiten:

Der beste Ausgangspunkt zu dem Gebiet ist der Parkplatz an der Wallfahrtskirche in Waghäusel (P), zu dem man über die A 5 (Ausfahrt Kronau/Waghäusel) und Kirrlach gelangt. Von dem Parkplatz aus muss man die Straße überqueren, um auf einem kleinen Weg in das Gebiet zu gelangen. In dem Gebiet gibt es keine Beobachtungstürme, dafür kann man sich frei auf den rot eingezeichneten Wegen zwischen den Becken bewegen: 

Direkt westlich des NSG Wagbachniederung hinter der B 36 und einer Bahnstrecke befinden sich der Erlichsee und einige Baggerseen, die sich v.a. im Winter lohnen (siehe Interessante Arten). Man gelangt zum Erlichsee über die B 36 und die Straße Richtung Oberhausen-Rheinhausen. Von dieser Straße führt rechts vor der Ortseinfahrt Oberhausen eine beschilderte Nebenstraße zum Erlichsee.


  

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